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Literatur Zweite Biografie des südafrikanischen Freiheitsidols erscheint zum 100. Geburtstag Mitte Juli / Vollendung des Werks durch Witwe, Stiftung und Ko-Autor

Nelson Mandela: „Wage nicht, zu zögern“

Südafrikas erster schwarzer Präsident Nelson Mandela galt politisch wie moralisch als Lichtgestalt, als eine Art Sonderfall der Geschichte. Am 18. Juli wäre der Mann 100 Jahre alt geworden, dessen Name weltweit auch fünf Jahre nach seinem Tod noch immer für Ausgleich und Versöhnung, unbeugsamen Willen und Charakterstärke steht. Aus Anlass des 100. Geburtstags werden dem weltweit respektierten Freiheitsidol gerade Veranstaltungen und Ausstellungen gewidmet. Auch der Büchermarkt würdigt das runde Jubiläum Mandelas, dessen Vision angesichts aufbrechender Risse im Politgefüge des Kap-Staates vielen heute als gefährdet gilt. Die Bücher würdigen unterschiedliche Facetten des Mannes, der nach jahrzehntelanger Haft in Apartheidgefängnissen seinem Land den friedlichen Übergang aus der institutionalisierten Rassentrennung in eine moderne Demokratie geebnet hatte. Die Mandela-Biografie „Dare not linger – Wage nicht, zu zögern“ stammt zum Teil aus Mandelas eigener Feder.

Einblicke durch Notizen

Nach seiner Autobiografie über die Jahre vor seiner Präsidentschaft („Long walk to freedom“) hatte er eine Fortsetzung begonnen, die die schwierigen Jahren des Aufbaus eines demokratischen Südafrikas beleuchten sollte. Er kam aber nicht mehr dazu, sie fertigzustellen. Seine Witwe Graça Machel, seine Stiftung sowie Ko-Autor Mandla Langa vollendeten das Werk. Mit geschickt in den Kontext eingebauten Passagen aus Mandelas eigenen Notizen bieten sie Einblicke in dessen bemerkenswerte Führungsstärke. Er selbst schreibt etwa, wie er damals am Widerstand der eigenen ANC-Partei scheiterte, als er den heutigen Präsidenten Cyril Ramaphosa zu seinem direkten Nachfolger bestimmen wollte. „Er ist eine imposante, äußerst gewandte Persönlichkeit mit scharfem Verstand und hoher Überzeugungskraft“, notierte Mandela und nannte Ramaphosa einen der „wichtigsten Architekten des neuen Südafrikas“.

Das Buch räumt auch mit dem Mythos auf, Mandela sei von westlichen, kapitalistischen Kreisen von seinen Verstaatlichungsplänen abgebracht worden. Glaubt man seiner autorisierten Biografie, so hat ihn 1992 auf dem Weltwirtschaftstreffen in Davos der damalige chinesische Premierminister Li Peng eindringlich davor gewarnt. Die in China gemachten Erfahrungen deuteten darauf hin, dass Verstaatlichung ein Fehler sei. Die Biografie bietet Einblicke in die Probleme des Hoffnungsträgers, der gegen vielfältige Widerstände und Rückschläge unter den aufmerksamen Blicken einer faszinierten Weltöffentlichkeit den politischen Wandel einleitete. In den vier Jahren nach seiner Amtszeit brachte Mandela zehn Kapitel zu Papier, notiert seine Witwe im Vorwort. Machel erläutert auch den Buchtitel – er stammt aus dem letzten Absatz von Mandelas erster Biografie, in der er davon spricht, wie er beim Erreichen eines Gipfels vor der Fortsetzung des Weges eine Rast einlegt.