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Weinheim „Lesfleursdumal“ heißt die Gemeinschafts-Ausstellung von Horst Busse und Udo Sturm / Noch bis 16. Dezember im Atelier in der Nordstadt

Reminiszenzen an Charles Baudelaire

Den Begriff der Schönheit neu definieren, in dem das Hässliche poetisiert wird. Das ist der Stil des französischen Lyrikers Charles Baudelaire in seinem 1857 veröffentlichten Werk „Les fleurs du mal“, „Die Blumen des Bösen“. Angelehnt an Baudelaires Sammlung von hundert melancholischen Gedichten haben die beiden Weinheimer Maler und Installations-Künstler Horst Busse und Udo Sturm ihrer Gemeinschafts-Ausstellung den Namen „Lesfleursdumal“ gegeben.

Dabei wollten sie den französischen Literaten und seine morbide Poesie keinesfalls bildlich interpretieren. Vielmehr ist ihre Ausstellung, im Atelier von Horst Busse, eine Reminiszenz an den 1928 in Paris geborenen wichtigsten Wegbereiter der modernen Lyrik.

Am Freitag wurde die Gemeinschaftsausstellung von Busse und Sturm eröffnet, einführende Worte sprach die Hemsbacher Kunsthistorikerin Susanne Zeunert, die unter anderem erwähnte, dass sich auch große Impressionisten wie Édouard Manet und Henri Matisse auf Baudelaires Disharmonie des Daseins bezogen haben, man nehme nur Manets Bild „Der Absinth-Trinker“.

Horst Busse und Udo Sturm, die beiden gebürtigen Weinheimer, verbindet eine langjährige Freundschaft und Zusammenarbeit. Spektakulär waren ihre für Weinheim wegweisenden Ausstellungen „alla1“ und „alla2“. Neben dem Begriff „Lesfleursdumal“ hat ihre aktuelle Ausstellung den Untertitel: „Das Nichtstun der Pflanzen“. Vergeblich sucht man unter den Objekten von Udo Sturm nach Pflanzen-Motiven. Hingegen wird sein „Interieur/3 Figuren“ in den Tönen schwarz, weiß und grau Baudelaires Vorstellung des Menschen als Dämon mehr als gerecht. Denn die drei, schemenhaft erkennbaren, männlichen und weiblichen Akte gleichen Geister, die etwas Bedrohliches ausstrahlen. Sturm liebt es, seine Bilder durch das Spannen von Stahlseilen oder Schnüren zu unterteilen. So wirkt das 1,75 auf 1,85 Meter große Bild der „Geister“ durch vertikal gespannte Seile wie ein Triptychon.

Eine fesselnde Energie strahlen seine beiden Werke „Gefahr“ und „Geheul“ aus. Hier dominiert zwischen unschuldigem Weiß, bedrohliches Schwarz und schließlich ein alles übertönendes, kräftiges Rot, das Gedanken an Wut und Flammen aufkommen lässt. Doch trotz der dunklen Grundstimmung geht von den Bildern eine rätselhafte Faszination aus.

Palmwedel als Pinsel

Udo Sturm hat, als Teil der Ausstellung, für seinen Freund Horst Busse ein Video produziert, bei dem es um dessen wichtigste Arbeitsmaterialien: Pflanzen, Wasser, Erde, geht. Bei den Werken von Horst Busse sticht dem Betrachter vor allem sein zwei auf drei Meter große Bild „Zistrose“ ins Auge, da es schon von der Größe her den Raum beherrscht. Hier dominieren die für Horst Busse typischen, warmen Erdtöne, die von aufgesetzten Blüten und Blättern unterbrochen werden. Wie so häufig, hat sich der Maler Erde und Pflanzen von einem Ort mitgebracht, der ihn besonders anzog.

In diesem Fall war es Portugal, wo er neben der Erde getrocknete Zistrosen, verdörrte Blätter und einen abgestorbenen Palmwedel mitgebracht hat, den er, ganz im Sinne von Baudelaires morbiden Gedanken, als Pinsel benutzte. Zart und von tiefgründiger Schönheit strahlen Busses Erdfarben eine geradezu tröstliche Wärme aus, als Kontrast dazu die daran haftenden, getrockneten Mohnkapseln. Ein Sinnbild für „Drogen und Rausch“, die welken Blüten hingegen für „Vergänglichkeit und Tod“.

Eine Zeile aus Baudelaires „Les fleurs du mal“ lautet: Nun kommt der Herbst/Ich muss zur Harke greifen/Die Erde sammeln, die verwüstet schien/in die der Regen Risse grub und Streifen/und manche Holde wie ein Grab so tief“. rav