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Beitragszahler Geburtenstarke Jahrgänge scheiden aus

Rente: Risiken in nächsten Jahren steigen

Archivartikel

Berlin.Wegen guter Konjunktur und sprudelnder Einnahmen können sich die mehr als 20 Millionen Rentner auf eine spürbare Erhöhung um mehr als drei Prozent zum 1. Juli freuen. Doch mit dem Renteneintritt der Babyboomer-Jahrgänge gerät die Alterssicherung in den kommenden Jahren unter Druck.

Noch sind die geburtenstarken Jahrgänge überwiegend im Arbeitsleben. Aber zum Ende dieser Legislaturperiode im Jahr 2021 beginnen sie, in Rente zu gehen. „Das Verhältnis von Rentenempfängern zu Beitragszahlern steigt bis 2025 um 15 Prozent und bis 2035 um 35 Prozent“, sagt der Münchener Rentenforscher Axel Börsch-Supan.

Nach einer Idee von Andrea Nahles (SPD), Sozialministerin in der vorherigen großen Koalition, wollen Union und Sozialdemokraten das Rentenniveau – also das Verhältnis von Rente zu Durchschnittseinkommen – bis 2025 auf dem heutigen Niveau von 48 Prozent halten. Der Beitragssatz soll von 18,6 Prozent nicht über 20 Prozent steigen. Langfristig soll die Haltelinie Beiträge und Niveau absichern.

Börsch-Supan sieht durch das Versprechen eines stabilen Rentenniveaus vor allem die Interessen der wahlentscheidenden Mittelschicht „vorübergehend bedient“. Altersarmut werde so aber nicht bekämpft; sie entstehe durch Erwerbsminderung, prekäre Jobs, lange Arbeitslosigkeit. Zur Abmilderung des Risikos für diese Betroffenen plant die Koalition eine Grundrente, die langes Arbeiten zu geringem Lohn, Pflege von Angehörigen und Kindererziehung honoriert – und eine bessere Absicherung bei Berufsunfähigkeit.

Vor Ausweitung gewarnt

Unterdessen warnte die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung, Gundula Roßbach, die Ausweitung der Mütterrente könne zu viel zusätzlicher Bürokratie führen. Roßbach: „Wenn die Ausweitung auf Eltern von drei Kindern und mehr eingeschränkt wird, hätten wir als Rentenversicherung einen deutlich höheren Aufwand.“

Union und SPD hatten in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, dass Mütter und Väter, die drei und mehr vor 1992 geborene Kinder erzogen haben, ein drittes Jahr Erziehungszeit in der Rente angerechnet bekommen. Sozialminister Hubertus Heil (SPD) lässt derzeit prüfen, ob alle Frauen mit Kindern dieser Jahrgänge von der geplanten Ausweitung profitieren sollen – nicht nur Mütter mit drei und mehr Kindern. dpa