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Evangelischer Kindergarten Zwingenberg Ute Kohler hatte drei fetzige Geschichten ausgesucht

Sandwolf und „Mamagei“

„Ich bin eine Oma, die gerne vorliest“, stellt sich Ute Kohler ihren jungen Zuhörern im evangelischen Kindergarten an der Heidelberger Straße vor. Die ehemalige Leiterin der Zwingenberger Melibokusschule war von Anfang an als Vorlesepatin bei der BA-Vorlesestunde dabei und ist seit 2008 regelmäßig bei der Aktion am Start.

Drei Geschichten hat Ute Kohler aus dem Buch „Von Drachen und Mäusen“ des Weinheimer Beltz-Verlags, dem Kooperationspartner des Bergsträßer Anzeigers, für die Vorlesestunde ausgewählt. „Spannend, lustig und manchmal ein bisschen gruselig“, kündigte die Vorleserin die kurzen Abenteuer an. 16 vier- und fünfjährige Kinder aus der Pferdchen-Gruppe des Kindergartens machten es sich gemeinsam mit ihren Erzieherinnen Monika Young und Stefanie Heger auf dem Boden des Vorleseraums gemütlich.

Die Kids verfolgten die Erzählungen aufmerksam, nutzten die Zeit aber auch dafür, hin und wieder etwas Bodengymnastik einzustreuen oder an den Löchern für den großen Zeh ihrer Turnschläppchen und Hausschuhe zu arbeiten.

Die erste Geschichte handelte von einem Papagei, und zwar von einem bisschen komischen Papagei. Lina und ihre Eltern sind eine glückliche Familie, die eigentlich alles hat – nur kein Haustier. Das muss sich ändern, beschließen die drei, und entscheiden sich nach einigem Abwägen für einen Papagei.

Ziemlich beste Freunde

Allerdings quatscht der gute Vogel, anders als vom Zoohändler beschrieben, kein einziges Wort. Linas Eltern üben verzweifelt mit dem Tier, das beharrlich schweigt. Also zurück zum Zoohändler mit dem Vieh und beschweren. Dabei hat Lina längst erkannt, dass der Papagei kein Papagei ist, sondern: ein Mamagei.

Es dauert ein bisschen, bis sie mit ihrer Erkenntnis zu ihren Eltern durchdringt. Als es schließlich gelingt und der Vogel mit Mamagei endlich richtig angesprochen wird, plappert er – beziehungsweise sie – dann auch munter drauflos. Lina und Mamagei werden ziemlich beste Freunde. Eine Mamagei als Haustier haben die Zwingenberger Kinder zwar nicht, wie eine kurze Umfrage ergab. Dafür aber Hasen und sogar einen Superhelden-Hamster, der Super-Sprünge macht.

In der nächsten Erzählung brauchte Zackarina die Hilfe eines Sandwolfes, um ihren Vater aus der Hängematte zum Baden ins Meer zu locken. Zackarina buddelt am Strand ein tiefes, ein sehr tiefes Loch. Plötzlich streckt ihr jemand aus der Grube seine Nase entgegen: Ein Sandwolf, wie sich herausstellt. Ein Sandwolf, der von sich behauptet, alles aus allen Welten zu wissen.

Das kommt Zackarina gelegen, denn natürlich kennt ihr neuer Freund bestimmt eine Methode, mit der man in Zeitungslektüre vertiefte Väter in den Aktivmodus versetzen kann. Klar weiß er das. Der Sandwolf fegt wie ein Sandsturm über Vater und Zeitung in der Hängematte hinweg und plötzlich will der Vater wie wild spielen und mit Zackarina baden.

In der dritten Geschichte schreit sich Lieschen Radieschen zur Prinzessin empor. Mit rotem Kopf und lautem Geschrei setzt sie ihren Willen durch gegen Eltern, König, Königin und Piraten. Und nebenbei befreit sie in ihrem schwarzen Zorro-Kostüm einen Prinzen aus den Klausen eines von den Zwingenberger Kindern sehnsüchtig erwarteten Drachen. Den grünen Feuerspucker erledigt Lieschen mit einer kombinierten Attacke: Schreiangriff und Stich genau hinters Drachenohr. Gemeinsam machen Lieschen und der Prinz dann ihr eigenes Dingen, fangen noch eine paar Landräuber – und dann war die Vorlesestunde aus.

Ute Kohler ging nach Hause, das Vorlesebuch „Von Drachen und Mäusen“ blieb – wie bei allen anderen Vorlesestunden – als Geschenk im Kindergarten. So werden die Kinder auch die restlichen Geschichten zu hören bekommen. eh