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Weinheim Fünftes Blues-Festival von Muddy’s Club ein voller Erfolg / Tommy Schneller Band“ Kat Riggins und Tin Pan Alley begeistern

So heiß wie im Mississippi-Delta

Um Punkt 18 Uhr begann am Samstagabend im Schlosshof das fünfte Open Air Bluesfestival des Weinheimer Blues- und Jazz-Kellers „Muddy’s Club“. Die fünfköpfige Kult-Band „Tin Pan Alley“ aus der Pfalz hätte das Thema des Festivals nicht besser verkörpern können. Seit über 20 Jahren begeistern die großartigen Musiker um ihren Bandleader Albert Koch mit ihrer kraftvollen Bühnen Show, bei der sie den authentischen Mississippi-Blues mit Elementen wie Rock, Country und Boogie würzen. Bei dem bekannten T-Bone-Walker-Stück „Stormy Monday“ riss Knut Maurer die Zuschauer mit seinen fantastischen Klanggebilden auf der Hammond-Orgel und Albert Koch mit seiner versierten Technik auf der Bluesharp sowie seiner rauchigen Soulstimme zu den ersten Begeisterungsschreien hin. Eigentlich ist die „Tin Pan Alley Band“ qualitativ zu hochwertig, bei einem Bluesfestival den Support zu bilden.

Als Sven Offermanns, künstlerischer Leiter des Muddy’s Club, als Vertreter des erkrankten Club-Chefs Wolfgang Braun den nächsten Programmpunkt ankündigte, war der Jubel groß, denn einige Zuschauer hatten sie schon einmal im Club erlebt.

Als eine der ganz großen Newcomerinnen des Blues bezeichnete Offermanns, der als Moderator einen klasse Job machte, die 1980 in Miami geborene Afroamerikanerin Kat Riggins. Tatsächlich war es unglaublich, wie diese kleine Person mit der riesengroßen, unverkennbar im Gospel geformten Soulstimme die Zuschauer vom ersten Ton an mitten ins Herz traf. Außerdem strahlt diese makellose Schönheit jede Menge Sexappeal aus.

Mächtige Soulstimme

Bei temperamentvollen Songs wie „Blues Is My Business“ ließ sie sicherlich nicht nur mit ihrer mächtigen Soulstimme, sondern auch mit ihrer Kunst, beim Tanzen jeden Körperbereich einzeln zu bewegen oder mit der Art, sich lasziv Wasser auf die Zunge zu tröpfeln, die Herzen der männlichen Zuschauer höher schlagen. Bei dem langsamen Bluestitel „Hear Me“ verstand es Riggins, jedem Zuschauer das Gefühl zu geben, nur für ihn zu singen.

„Do you feel the Blues?“ fragte sie ins Publikum. Ja, die Zuschauer fühlten den Blues, man konnte es daran erkennen, wie sie an ihren Lippen hingen. Um ihrem Publikum ganz nahe zu sein, verließ sie auch mal die Bühne und sang und tanzte durch die Zuschauerreihen. Die 38-Jährige scheint das Potenzial zu haben, eine der besten Bluessängerinnen ihrer Generation zu werden.

Auch die vierköpfige Band an ihrer Seite ließ keine Wünsche offen. Der junge „Little“ Steve ist nicht nur ein exzellenter Bluesgitarrist, er verfügt auch über eine rauchige Bluesstimme. Jan de Ligts vitales Saxofon-Spiel verlieh gerade ihren innigen Bekenntnissen zum Blues zusätzliche Intensität. Beim Top Act des Abends musste Moderator Sven Offermanns nicht viel erklären. Die siebenköpfige „Tommy Schneller Band“ aus Osnabrück ist bekannt für Blues, Rock, Funk und Soul, vor allem ist sie jedoch ein Garant für gute Laune und ausgelassenes Tanzen.

Mit dem Titel „Trust in Yourself“ bildete die wilde, ungezähmte Hammond-Orgel von Kiril Vorwald zusammen mit dem fetten Bläsersound von Tommy Schneller (Saxofon), Dieter Kuhlmann (Posaune) und Christian Winninghoff (Trompete) das Kommando, die Tanzfläche zu stürmen. Es wurde langsam dunkel, die Bühnenstrahler wirkten bunter, die Zuschauermenge hatte sich auf rund 500 erhöht, die Hitze blieb konstant.

Geradezu sensationelle Voraussetzungen, eine heiße Blues-Nacht mit der Authentizität ihres Ursprunges, dem Mississippi-Delta, zu feiern. Wer die mit zahlreichen Musikpreisen ausgezeichnete „Tommy Schneller Band“ kennt, weiß, dass sich bei ihr Blues, Funk, Rock und Pop freundschaftlich die Hand reichen. Das gibt dann diesen herrlich tanzbaren Groove, den der sympathische Bandleader mit kleinen Anekdoten auflockerte, wie der Story über seine Putzfee, der er den „Cleaning Lady Blues“ gewidmet hat. rav