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Sachbuch

Strippenzieher an Neros Hof

Archivartikel

Im Umfeld eines mächtigen Paranoikers und Mörders kann selbst eine vermeintlich reine Weste nicht weiß bleiben. Der große römische Denker Seneca der Jüngere ist ein Anhänger der Schule der Stoa seines griechischen Vorbildes Sokrates, die ihr Glück eigentlich in der Affektlosigkeit und Mäßigung sucht.

Im ersten nachchristlichen Jahrhundert lebt er im Rom Kaiser Neros, für dessen Erziehung er selbst verantwortlich ist. Der New Yorker Historiker James Romm fragt in seinem knapp vier Jahre nach dem Original nun endlich auch auf Deutsch vorliegenden Doppelporträt „Seneca und der Tyrann – Die Kunst des Mordens an Neros Hof“, wie griechischer Idealismus und römische Realpolitik zusammenpassen. Das faszinierende und spannende Buch zeigt, wie sich Seneca in den höchsten Zirkeln des Terrorregimes bewegt und als Strippenzieher skrupellos seinen Einfluss nutzt. Es liest sich wie ein Thriller. Doch als der Einflüsterer bei dem monströsen Herrscher in Ungnade fällt, ist auch sein Ende besiegelt (James Romm: „Seneca und der Tyrann. Die Kunst des Mordens an Neros Hof“. C.H. Beck, München. 320 S., 24,95 Euro).