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Traumurlaub auf Grenada Neun Flugstunden von Deutschland entfernt liegt ein Inselstaat zum Glücklichsein / Genuss- und Aktivurlaub zwischen Kakao- und Muskatnussbäumen

Süß und würzig – so fein schmeckt die Karibik

Archivartikel

Sonne und Schokolade machen nachweislich glücklich. Da ist es kein Wunder, dass die Bewohner von Grenada wahre Frohnaturen sind. In dem Karibikstaat etwa 150 Kilometer vor der Küste Südamerikas gibt es nämlich beides und das gepaart mit weißen Bilderbuchstränden, türkisfarbenen Meer und ganzjährig tropischen 24 bis 30 Grad Celsius. Die Grenadians empfangen jeden mit einer wunderbar ehrlichen Herzlichkeit. Sie sind freundlich und hilfsbereit. „Wie geht es dir?“ „Soll ich dich fahren?“ „Ich wünsch’ dir einen schönen Tag!“ – Diese und weitere Sätze begegnen auch Touristen immer wieder, wenn sie auf den drei Insel unterwegs sind.

Auf der Hauptinsel Grenada liegt die Hauptstadt St. George, eine der schönsten Hafenstädte der Antillen. Von November bis April legen hier die Kreuzfahrtschiffe an. Das ist auch die Hauptsaison für den sehr gut organisierten Tourismus. Wer’s ruhiger mag, dem sei zum Beispiel der Mai empfohlen: fantastisches Wetter, am Abend vielleicht für ein paar Minuten „liquid sunshine“ („feuchter Sonnenschein“, so nennen Grenadians die warmen Regenschauer), weitgehend leere Strände und super Rabatte in Hotels. Grenada liegt etwa neun Flugstunden von Deutschland entfernt und hat so gut wie keine Kriminalität. Das zeigt sich auch dadurch, dass die Polizei zum Zeitvertreib in St. George eine Bar für karitative Zwecke betreibt.

Grenada ist im wahresten Sinne des Wortes in aller Munde, das Land gilt als der Feinkostladen der Karibik. Die Gewürzinsel zählt nach Indonesien zum zweitgrößten Exporteur für Muskatnüsse. Mit einer Prise des Gewürzes werden viele Fisch- und Fleischgerichte oder sogar Getränke verfeinert. Überhaupt: Das Essen ist eine Klasse für sich! Alles wird frisch zubereitet, es kommt auf den Tisch, was am Tag im Fischernetz zappelt. Mahi-Mahi, eine Goldmakrele, gegrillt mit Salat und Süßkartoffelpüree oder Shrimps in einer aus frischen Kokosraspeln zubereiteten Panade kitzeln die Geschmacksknospen. Das wird in lässigen Strandbars wie dem „Umbrella’s“ am bekanntesten Ufer der Insel, dem Grand Anse, kredenzt. Hier gibt’s eine illustre Cocktailkarte, die sogar dem sportlichen Helden Grenadas ein Getränk widmet: Der „Jaguar on fire“ (weißer Rum, Erdbeer-, Mangosaft, Melonen-Likör, scharf-sauer) huldigt Kirani James, der 2012 olympisches Gold über 400 Meter gewonnen hat. Nach einem Glas läuft der Konsument allerdings weder schnell, noch geradlinig . . . In Bezug aufs Essen lohnt zudem ein Besuch bei Brian Benjamin und seiner Familie in „BB’s Crabback Caribbean Restaurant“ am Hafen von St. George mit Blick aufs Wasser. Das Lokal ist nicht nur wegen seiner typischen Inselgerichte, die Namen von Familienmitgliedern tragen, ein Besuch wert, sondern auch wegen des Interieurs: An Wänden und Decken haben sich Gäste verewigt.

Beispielhafter Ökotourismus

Bei der Ernährung machen die Grenadians den Deutschen was vor: „Wir bauen nur das an, was wir essen, und wir essen nur das, was wir anbauen“, lautet der Leitspruch der Einheimischen. Vornehmlich Fleisch muss importiert werden, ansonsten gibt es auf der Insel alles, was der Mensch zum Leben braucht – sogar das Bier „Caribb“ kann gut mit deutschem Pils mithalten. Aber wer braucht schon Bier, wenn’s Rumpunsch gibt? Rum gehört ebenfalls zu den Spezialitäten der Insel, manche Sorten gibt es nur auf Grenada, wie bei Besichtigungen von Destillerien zu erfahren ist. Das „Schwarze Gold“ (Name des Rums) ist dabei ein Aushängeschild: Rum mit Muskatnuss-Geschmack – sehr fein!

Toll schmeckt auch ein Rumschokolikör, der zudem „Amaz-in“ heißt (von „amazing“, Englisch für „toll“). Das Getränk wurde diesen Mai beim fünften Schokoladen-Festival als Neuheit vorgestellt. Denn um den weiteren Exportschlager der Insel, den Kakao, haben die Grenadians eine achttägige Veranstaltungsreihe kreiert, die alles über Kakao, Schokolade und deren Bedeutung für die Insel und einen selbst lehren. Magdalena Fielden, die mit ihrer Familie das „True Blue Bay Resort“ in St. George betreibt, hatte die Idee dazu. Sie setzt wie viele ihrer Mitstreiter auf Nachhaltigkeit und möchte den Ökotourismus in ihrem Land vorantreiben. Auch in dieser Beziehung macht der kleine Inselstaat großen Tourismusdestinationen was vor.

In Fieldens Hotel findet die Festivaleröffnung statt, bei dem Schokolade natürlich allgegenwärtig ist – selbst als Verfeinerung deftiger Speisen: Ein Steak mit Schokoladensoße oder Spaghetti mit Schokoraspeln werden zum echten Gaumenschmaus. Zu den Angeboten des Schokoladen-Festivals gehören Workshops, in denen die Teilnehmer zum Beispiel Tee aus Schokoladenpulver und Basilikum selbst herstellen oder ein Körperpeeling aus Kakao- und Kaffeepulver, braunen Zucker und Kokosöl zusammenrühren und dabei erfahren, dass die Mischung sehr gut gegen Akne wirkt. Überhaupt: Die Grenadians setzen auf die Kräfte der Natur in allen Belangen. Es geht eben richtig bio – das wird selbst bei der Schokoladenherstellung deutlich. Fünf Manufakturen sind bislang auf der Insel beheimat und stellen die süße Versuchung ohne künstliche Zusatzstoffe her. Im „House of Chocolate“ in St. George können die verschiedenen Sorten – bis zu 100-prozentiger Zartbitterschokolade – probiert und gekauft werden. Auf zahlreichen Plantagen erhalten Interessierte Einblicke in die landwirtschaftliche Arbeit. Empfehlenswert ist ein Ausflug in die 300 Jahre alte Schauplantage „Belmont Estate“, die auch zum Schaukochen mit Verköstigung von Schokoladenmenüs einlädt.

Aaron Sylvester ist ein Farmer, der ebenfalls seine Plantage während des Schokoladen-Festivals für Touristen öffnet. Er hat seinen Job als erfolgreicher Musikmanager in England an den Nagel gehängt und kehrte in seine Heimat Grenada zurück, um dort die Farm seiner Familie weiterzuentwickeln und so die Wirtschaft seines Landes zu unterstützen. Er verfolgt dabei die Idee, die einst der als Aussteiger immigrierte US-Amerikaner Mott Green mit seinem einheimischen Freund Rastafari Edmond Brown hatte, als diese 1999 die Kooperation „Grenada Chocolate Company“ (www.grenadachocolate.com) als Keimzelle der Schoko-Produktion auf der Insel gründeten: Während auch heute noch der überwiegende Teil der weltweit geernteten Kakaobohnen um den halben Erdball verschifft werden, wollte Green diese in Grenada reichlich vorhandene Ressource vor Ort verarbeiten. Sein Ansatz war ein nachhaltiger pestizidfreier Anbau, faire Preise für die Erzeuger, Arbeitsplätze für Inselbewohner sowie ein Produkt, das höchsten Anforderungen gerecht wird. „Tree to Bar“ (vom Baum zur Schokoladentafel) lautete das Motto des 2013 tödlich verunglückten Pioniers, der diese Idee jedoch gut dem Inselstaat „einpflanzte“. Auf Aaron Sylvesters Farm bringt zudem der 66-jährige Robert Calliste Touristen gerne bei, wie sie Zimt ernten. Und wer das probiert, der wundert sich, warum Gewürze nicht mehr kosten . Margaret Roberts etwa verkauft seit 40 Jahren Zimt, Ingwer, Vanille, Muskatnuss, Pfeffer-Sorten und mehr auf dem großen Gewürzmarkt in St. George. Sie ist eine von etwa 60 Frauen, die dort ihren Lebensunterhalt bestreiten, so ihre Familien mit ernähren und auch ein Stück ihrer Unabhängigkeit wahren. Und obwohl die Grenadians hart arbeiten, verlieren sie nie ihr Lachen und ihre Herzlichkeit. Zum Glücklichsein braucht’s nicht viel. Das wird auf Grenada deutlich.