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Vorsicht vor der Pelzmütze

Archivartikel

„Kaffee mit Milch und Stress“: Finnenkomödie

Poika (Iikka Forss) lässt seinen Papa bei sich einziehen, nachdem dieser einen Unfall hatte. Doch Helsinki ist für „den Alten“ (Antti Litja) ein Graus. Zudem hasst er es, auf Hilfe angewiesen zu sein. Und so erleben Poika und seine Frau Liisa (Mari Perankoski) mit dem neuen Mitbewohner in der finnischen Komödie „Kaffee mit Milch und Stress“ (2017, erhältlich auf DVD und als Video-on-Demand) bald ihr blaues Wunder, denn Poikas griesgrämiger Vater macht jeden Tag zu einer Herausforderung, der man auch mit dem besten Kaffee nicht gewachsen ist.

Der Film basiert auf einer finnischen Buchreihe von Co-Drehbuchautor Tuomas Kyrö, der seinen Vater beschreibt. Aber es wäre zu schlicht, ihn nur unter dem Aspekt „Früher war alles besser“ zu betrachten. Sicher ist „der Alte“ der Meinung, dass die Welt noch in Ordnung war, als der Mann ein Haus baute und seine Frau sich um das Haus kümmerte. Jeder hatte klar umrissene Aufgabengebiete und durfte sich um sein Revier kümmern.

Das Besondere an diesem Finnen sind aber vor allem zwei Dinge: Er trägt sein Herz auf der Zunge und er kennt das Wort Kompromissbereitschaft nicht. Das ergibt einerseits viele witzige Momente, andererseits muss man ob seiner unverschämten Unangepasstheit öfter schlucken. Dieser Alte wird nicht bekehrt, aber er erzählt in stillen Monologen von sich und das macht die Komödie zuhörenswert. Diese Gedankenblasen geben dem Mann mit der Pelzmütze Persönlichkeit, machen seine Eigenheiten und seinen Groll nachvollziehbarer.

Präziser Blick

Und nach und nach sieht man die Wahrhaftigkeit, versteht die melancholischen Momente. So erschreckend griesgrämig sich der Hauptdarsteller zunächst vorstellt, er ist einer, der genau hinsieht. Der sich kümmert und dessen Erinnerungen präzise sind. So präzise, dass der Film eine Hommage an das Rosinenbrötchen ist – und an Väter. tsch