Startseite Fallback für unzugeordnet und Altdaten bzw Archiv

Was ist menschlich?

„Blade Runner 2049“: Die Fortsetzung des Klassikers ist gelungen

1982 kam ein Film in die Kinos, der das Science-Fiction-Genre mit seiner originellen Optik regelrecht revolutionierte: „Blade Runner“. Zeigte das visionäre Werk von Ridley Scott damals eine düstere, regenverhangene Zukunft im Jahr 2019, springt Villeneuves Fortsetzung von 2017 drei Dekaden weiter.

Auch 2049 präsentiert sich Los Angeles als Moloch, der von finsteren Häuserschluchten und gigantischen Werbeflächen dominiert wird. Eine wenig lebenswerte Stadt, in der der Polizeibeamte K (Ryan Gosling), ein sogenannter Blade Runner, alte Replikanten jagt – künstliche Menschen, die schon vor langer Zeit aus dem Verkehr gezogen werden sollten, sich aber rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten. Als der LAPD-Agent einen solchen Androiden auf einer abgelegenen Farm tötet, erhält von seiner Vorgesetzten Joshi (resolut: Robin Wright) wenig später einen brisanten Ermittlungsauftrag. Der führt ihn auf die Spur des früheren Blade Runners Rick Deckard (Harrison Ford), der vor 30 Jahren verschwand.

Oberflächlich betrachtet, erzählt der Nachfolger zu Scotts 80er-Jahre-Meisterwerk eine klassische Detektivgeschichte. K muss eine bestimmte Person aufspüren und klappert dazu unterschiedliche Anlaufstellen ab, während im Hintergrund der einflussreiche Niander Wallace (unheimlich: Jared Leto) mithilfe von Luv (einprägsam: Sylvia Hoeks) eigene, unheilvolle Pläne verfolgt. Ähnlich wie im ersten Film dient das Handlungsgerüst vor allem als Aufhänger für eine existenzielle Reise, die sich mit den Fragen nach dem Menschsein und den Sehnsüchten der geächteten Replikanten befasst.

Statt temporeicher Sci-Fi-Action bevorzugen Villeneuve und das Drehbuchgespann Hampton Fancher und Michael Green Entschleunigung. In manchen Momenten wird man das Gefühl nicht los, dass sie sich etwas zu sehr in einen meditativen Ansatz verliebt haben.

Mit „Blade Runner 2049“ gelang es dem frankokanadischen Regisseur insgesamt aber, einen Film mit spektakulären Schauwerten zu kreieren. Schon bei Villeneuves ersten Hollywood-Arbeiten „Prisoners“ und „Sicario“ lieferte Kameralegende Roger Deakins grandiose Impressionen. Mit „Blade Runner 2049“ setzte sich der Brite nun die Krone auf und hätte dafür nach 13 erfolglosen Nominierungen endlich eine Oscar-Trophäe verdient. tsch