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Geschäftsleben Regierungspräsidium genehmigt Errichtung und Betrieb der AVR-Bioabfallvergärungsanlage im Sinsheimer „Saugrund“

Wo aus Müll bald Kompost und Gas wird

Archivartikel

Kreis.„Mit der Errichtung und dem Betrieb der Bioabfallvergärungsanlage auf dem Abschnitt V der Kreismülldeponie Sinsheim im „Saugrund“ kommt die AVR Bio Terra GmbH der Pflicht nach, die im Rhein-Neckar-Kreis getrennt gesammelten Bio- und Grünabfälle aus den Haushalten ordnungsgemäß zu entsorgen“, so Regierungspräsidentin Nicolette Kressl in Sinsheim bei der Übergabe der immissionsschutzrechtlichen Genehmigung an Geschäftsführer Peter Mülbaier und Prokurist Jörg Detlof.

Im Beisein von Peter Hesch, dem Stellvertreter des Sinsheimer Oberbürgermeisters, hob die Regierungspräsidentin zudem die äußerst positive Zusammenarbeit aller Beteiligten hervor. Bereits im Zuge der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung habe im März 2016 eine erste Bürgerinformationsveranstaltung in Sinsheim stattgefunden. Nach enger Abstimmung im Vorantragsverfahren sei der Antrag dann am 24. Oktober 2017 gestellt und anschließend öffentlich ausgelegt worden.

Energieressource der Zukunft

Nicolette Kressl freute sich, jetzt die immissionsschutzrechtliche Genehmigung zur Errichtung und zum Betrieb der Bioabfallvergärungsanlage überreichen zu können. Durch die gute Vorarbeit des Vorhabenträgers und die regelmäßigen Informationen der Öffentlichkeit seien keine Einwendungen gegen das Vorhaben erhoben worden. Eine bei Vorhaben dieser Art und Größe durchaus ungewöhnliche Meldung. „Ich wünsche Ihnen und den Anlagenplanern einen genauso reibungslosen Ablauf beim Bau, bei der Errichtung und dem Betrieb der Bioabfallvergärungsanlage“, meint Kressl.

Früher war Müll einfach nur Müll. Dass Abfälle auch eine bedeutende Energiequelle sind, wissen die Verantwortlichen von Landkreis und AVR längst. „Deshalb ist der eingeschlagene Weg, diese Wertstoffe zu sammeln, stofflich und energetisch zu verwerten und durch moderne technische Verfahren grüne Energien zu gewinnen, konsequent und zukunftsweisend“, betont Peter Mülbaier und weist in diesem Zusammenhang außerdem darauf hin, dass die AVR bereits seit 2011 den Bürgern im Rhein-Neckar-Kreis die Möglichkeit bietet, Biomüll über die gebührenfreie Bio-Energie-Tonne getrennt zu sammeln und Grünschnitt gebührenfrei an den verschiedenen AVR-Anlagen abzugeben. So setze der Landkreis in einer Art Vorreiterrolle bereits seit mehreren Jahren die seit 1. Januar 2015 in Kraft getretenen Vorgaben des Kreislaufwirtschaftsgesetzes um.

Die jährlich im Kreis gesammelten Mengen an Biomüll weisen seit Jahren rasante Steigerungsraten auf. Von rund 7000 Gewichtstonnen im Jahr 2011 auf rund 50 000 Gewichtstonnen in 2017, Prognose weiter steigend auf bis zu 60 000 Tonnen und mehr in den kommenden Jahren. Die gesammelten Stoffströme werden ab 2019 in der Bioabfallvergärungsanlage vergoren, getrocknet und anschließend von der AVR BioTerra als gütegesicherter, zertifizierter Frischkompost für die regionale Landwirtschaft vermarktet.

Partner ist hier die Firma Remondis, die im Frühjahr 2017 aus der europaweiten Ausschreibung als kompetentester Anbieter hervorgegangen war. Sie ist mit 49 Prozent an der AVR Bio Terra beteiligt, 51 Prozent verbleiben in Händen des Kreises. Als gemeinsame Geschäftsführer fungieren Siegfried Rehberger (Remondis) für die technischen Belange und Peter Mülbaier (AVR) als deren Sprecher. „Wir freuen uns, bei diesem großartigen Projekt unsere umfangreichen Erfahrungen als größter deutscher Entsorger mit einzubringen. Wir haben in Deutschland bereits mehrere Anlagen dieser Art gebaut und betreiben sie erfolgreich“, sagt Jörg Detlof (Prokurist).

In einem zweiten Schritt wird das durch den Vergärungsprozess erzeugte Rohgas von der AVR Bio Gas zu Bioerdgasqualität aufbereitet und anschließend direkt ins öffentliche Erdgasnetz eingespeist. „Das Leuchtturmprojekt AVR Bioabfallvergärungsanlage mit einem Investitionsvolumen von rund 45 Millionen Euro stellt zum einen die langfristige Entsorgungssicherheit des Kreises sicher, zum anderen bringt es die politisch gewollten Ziele wie regionalen Klimaschutz oder autarke regionale Energieversorgung einen entscheidenden Schritt voran“, beschreibt Mülbaier einen wesentlichen strategischen Aspekt und bedankt sich an dieser Stelle ausdrücklich für das konstruktive Teamwork aller Projektbeteiligten.

Der Standort Sinsheim

Bei der Standortwahl für die AVR Biovergärungsanlage wurde besonders darauf geachtet, dass die notwendige Infrastruktur bereits weitgehend vorhanden ist und sowohl verkehrstechnische als auch sonstige eventuelle Belästigungen der Bürger beim Bau oder dem späteren Betrieb auszuschließen sind. Das Gelände auf der Deponie Sinsheim bietet dafür in jeder Hinsicht die notwendigen Voraussetzungen. „Die AVR-Gruppe hat mit dieser Standortwahl dem seit vielen Jahren gelebten, partnerschaftlichen Schulterschluss mit der Stadt nochmal eine neue Qualität gegeben“, freut sich Peter Hesch. „Es ist ein klares Bekenntnis zum Unternehmenssitz und ein deutliches Zeichen der Verbundenheit, denn auch die Stadt Sinsheim wird von den Aktivitäten der AVR Bio-Terra und der AVR BioGas mittel- und langfristig profitieren. Zum einen durch neue Arbeitsplätze, die hier entstehen, zum anderen durch die Beteiligung der Stadtwerke Sinsheim mit 7,5 Prozent an der Bio Gas GmbH“, so Peter Hesch weiter. zg