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Zum Schluss etwas Wohlfühl-Action

Archivartikel

„Sense 8“: Die Wachowskis beenden ihre Netflix-Serie mit einem Spielfilm-Finale / Ab 8. Juni abrufbar

Am Ende war es wohl zu teuer, vielleicht auch inhaltlich nicht ausgereift genug: Trotz ihrer eingeschworenen Zuschauerbasis und prominenten Schöpfer wurde die Netflix-Serie „Sense8“ nach zwei Staffeln eingestellt. Nun erhält das ambitioniert gestartete Projekt der Wachowski-Geschwister – auch beeinflusst durch Proteste der Fans – zumindest noch ein zweieinhalbstündiges Finale (ab 8. Juni). Die weltumspannende Geschichte von acht miteinander „magisch“ verknüpften Protagonisten endet so, wie sie sich im Verlauf der Serie entwickelte: als ansehnlicher Action-Seelenstriptease mit Feelgood-Überbau und als esoterische Freundes-Story mit ausgeprägtem Fetisch für Identitäten. Glücklicherweise sorgt die Spielfilmkürze für weniger Kitsch und deutlich mehr Aufklärung des Wesentlichen.

Das groß angekündigte „Sense8“-Finale beginnt mit Nenas „99 Luftballons“ als Coverversion in einer fiktiven Casting-Show. Der Anti-Kriegs-Song im süßen Gewand spiegelt den Grundton jener Serie, mit der die Wachowskis ihre große Vision verwirklichen wollten: Mystik und Action mit Gesellschaftskritik und lobenswerten Grundwerten zu verknüpfen. Zusammenhalt, Solidarität, Vertrauen – ein „gemeinsam sind wir stark“ in einer feindlichen Welt. „Sense8“ setzt ungemein auf das Finden und Liebenlernen der eigenen Identität – sei es in Bezug auf Geschlecht, Sexualität, Religion, Kultur, Politik. Die persönliche Transgender-Geschichte der Wachowskis schwang in jeder Szene der Serie mit.

Wieder vereint in Paris

Die Hauptfiguren aus aller Welt, die über ein übernatürliches Band miteinander verbunden sind, dadurch kommunizieren und sich gegenseitig steuern können, sind nach zwei Staffeln in Paris vereint: Nun heißt es, das Chaos und die Dutzenden verwirrenden Ansätze aus den ersten beiden Staffeln zu ordnen.

Das gelingt im Finale angesichts der geringen Spielfilmlänge sogar recht gut: Der interkontinentale Super-Freundeskreis um Wolfgang (Max Riemelt) und seine sieben Seelenverwandten hat seine Verfolger und Überwacher endlich aufgespürt – und begibt sich nun als verschworene Widerstandsgruppe selbst auf die Jagd: Rache ist nun mal süß. Begleitet wird die ohnehin schon unüberschaubare Entourage dabei von so manchem Familienmitglied – ein Kniff, der im Grunde nur Slapstick-Witze und die unvermeidlichen Happy-Umarmungs-Szenen befeuert.

Weniger esoterisch

Der esoterische pseudopolitische Wohlfühl-Kitsch, der in Staffel 2 auf die Spitze getrieben wurde, hält sich im Finale glücklicherweise dennoch in Grenzen. Zwar bewegen sich so manche Szenen und Dialoge noch immer auf naivem Hipster-Hippie-Niveau, zwar suhlt man sich noch immer zu oft holzartig im eigenen Identitätsbrei. Doch dominiert diesmal die Aufklärung der Geschichte, garniert mit ansehnlichen Kamerafahrten, eindrücklichen Bildwelten und unterhaltsam inszenierten Actionsequenzen. tsch