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Weinheim Südländische Volkstänze, exotische Trommelrhythmen und mehr präsentieren 15 Gruppen beim Internationales Fest im Schlosshof

Zur Kulturvielfalt herrscht Kaiserwetter

Archivartikel

Afrikanische Trommelklänge, portugiesische Folkloretänze und griechische Volksmusik bieten den mediterranen Temperaturen beim Internationalen Kulturfest den perfekten Rahmen. Hunderte Besucher trotzen am Sonntagnachmittag der Hitze und feuern die Künstler auf der Bühne an.

Die Gruppe „Patrice Percussion“ lässt exotische Shango- und Kpanlogo-Rhythmen auf ihren Klangkörpern ertönen: die Savanne kommt im Schlosshof an. Profi-Trommler Patrice führt seine elfköpfiges Ensemble an. Der Togolese hat die Trommelkunst im Blut, schon in seiner Heimat leitete er eine Percussion-Truppe. Heute lebt er in Lützelsachsen, mit seiner Leidenschaft steckt er nicht nur seine „Trommelschüler“ an, die mit ihm auf der Bühne stehen und alles aus sich rausholen. Auch das Publikum findet den Takt und klatscht fleißig mit.

Besondere Hochachtung haben die Tänzer und Musiker der portugiesischen Folkloregruppe „Lirios de Portugal“ verdient. Denn die tauschen kurze Hose und T-Shirt gegen lange Kleider und Kopftücher. Aus Akkordeon, Tamburin und Kastagnette erklingen traditionelle Volkslieder, zu denen sich die Tänzer im Kreis bewegen. Beeindruckend sind die bunt bestickten Röcke der Damen, die bei den schnellen Drehungen durch die Luft wirbeln. Neben ihren Kopftüchern tragen sie schwere, dicke Goldketten um den Hals. Die Männer dürften nicht weniger ins Schwitzen kommen, jedoch schützen ihre schwarzen Hüte mit der breiten Krempe etwas vor der Sonne.

Kulturfest fest verankert

Dass sich das Internationale Kulturfestival fest im Veranstaltungskalender verankert wiederfindet, freut besonders Gunnar Fuchs vom Kulturbüro. „Es muss zwar im Vorfeld einiges arrangiert werden, es soll ja eine wirklich bunte Mischung sein. Doch das lief in diesem Jahr glatt“, sagt er.

Fuchs organisiert das bunte Festival gemeinsam mit dem antifaschistischen Aktionsbündnis, dem Arbeitskreis Asyl, Centro Italiano, griechisch-deutschen Freundeskreis „Philia“, Türkischen Arbeiterverein und der Volkshochschule Badische Bergstraße. Als Moderator ist er am gesamten Veranstaltungstag ein gefragter Mann: Ganze 15 Gruppen kündigt Fuchs im Zwanzigminutentakt an. Auch die Tontechniker müssen zeigen, was sie können – Umbaupausen gibt es so gut wie keine. Davon bekommt das Publikum aber nichts mit, denn das genießt eine reibungslos laufende Veranstaltung bei kühlen Getränken und türkischen, griechischen oder portugiesischen Spezialitäten.

Schwierigkeiten, ausreichend aktive Teilnehmer zu finden, habe Fuchs mit seinem Organisationsteam keine gehabt, berichtet er weiter. Einige Gruppen sind bereits seit vielen Jahren dabei und gehören fest zum Programm. Für den Kulturbeauftragten steht die kulturelle Vielfalt im Mittelpunkt, hinzu kommt der integrative Charakter der Veranstaltung.

„Bevor sich das spanische Zentrum auflöste, waren auch die regelmäßig dabei. Einerseits sei es schön, dass sich viele so intensiv angepasst hätten, andererseits war die spanische Kultur ein wesentlicher Bestandteil und eine Bereicherung für das Festival“, sagt Fuchs. Befürchtungen um ein zu schlankes Programm muss der Organisator keine haben. Neu dabei sind in diesem Jahr das Tanzstudio „Phantasie“ aus Birkenau. Die Tänzerinnen konnten in 2017 den westdeutschen Meistertitel gewinnen, jetzt glänzen sie bei ihrem Debüt auf der Schlosshof-Bühne. Zu elektronischen Beats bewegt sich die Formation synchron über das Parkett. Auch für den griechisch-deutschen Freundeskreis „Philia“ ist das internationale Kulturfest eine Pflichtveranstaltung. Während die einen südländische Feinkostspezialitäten zubereiten, stehen die anderen mit der griechischen Tanzgruppe auf der Bühne. Auch hier sind die traditionellen Gewänder, Kleider aus Samt, mit Spitzen verziert, etwas fürs Auge. Dazu tragen die Tänzer Tücher in den blau-weißen Landesfarben an den Händen. Die Männer haben ihre Hüfte in große, rote Stoffbahnen gewickelt. So tanzt die Gruppe mal in Dreierreihen, mal in einer langen Kette synchron im Halbkreis. Formationswechsel oder Kehrtwenden leitet der Vortänzer durch ein lautes „Hopp“ ein.

Das gefällt auch dem Publikum, das sich aus dem Schatten in die pralle Sonne vor der Bühne wagt. Dazu sieht man vereinzelt ältere Männer mit grauen Schnurrbärten, die ihre alten Volkslieder mitsingen und auch die Tanzschritte noch beherrschen.

Auch danach bleibt es abwechslungsreich: orientalischer Bauchtanz mit Schwertern der „Desert Roseses“, peruanische Tänze oder Bambusinstrumente der Gruppe „Cinta Nada“. Es ist ein Fest der Freundschaft und der Kulturen. Das ist bis in den letzten Winkel des Schlosshofs spürbar. ppf