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Psychiatrie: Klinik Zum Guten Hirten muss immer wieder Patienten vor sich selbst schützen

Fixierung nur als äußerstes Mittel

Ludwigshafen.Die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Krankenhaus Zum Guten Hirten besteht nun seit 20 Jahren. Schon kurz nach der Gründung kam die alljährliche Besuchskommission der Stadt Ludwigshafen ins Haus, um einen Bericht zu erstellen. So schreibt es das Landesgesetz vor.

„Das Bild, das die Öffentlichkeit von Psychiatrien hat, ist nicht das beste. Vor allem, wenn es um das Thema Zwang geht – etwa bei der Fixierung oder der Isolation“, sagt Chefarzt Jörg Breitmaier. Die Anzahl der Patienten, die fixiert werden müssten, um sich und dem Pflegepersonal nicht zu schaden, sei zwar gering, trotzdem werde bei diesen Fällen genau hingeschaut. Bei etwa vier bis fünf Prozent habe die Quote in den vergangenen Jahren gelegen.

Andrea Hilbert, Geschäftsführerin der Besuchskommission, umreißt deren Aufgaben: „Die Besuchskommission prüft, ob die Rechte der Patienten eingehalten werden. Unsere Mitarbeiter sind ehrenamtlich, darunter sind etwa Ärzte, aber auch Vertreter von Angehörigen. Wir stellen statistische Fragen, aber auch sehr praktische zum Thema Unterbringung.“
Immer wieder ein Thema bei der Prüfung ist der Platzmangel, der nicht leicht zu beheben ist. Die Klinik nimmt psychisch kranke Menschen ab 18 Jahren auf. Und das rund um die Uhr und ohne Obergrenze. „Es gibt Patienten, die immer wieder kommen. Man kennt ihre Gewohnheiten und kann auf sie eingehen. Manche wollen erst einmal nicht reden, wenn sie ankommen. Bei neuen Patienten muss man erst herausfinden, wie man am besten an sie herankommt“, schildert Pflegedirektorin Grit Stocker den Alltag. Werden Patienten gegen ihren Willen eingeliefert, liegt eine Eigen- oder Fremdgefährdung vor. Eine Fixierung wird nur als äußerstes Mittel eingesetzt, oft liegt dem Zustand der Patienten Alkohol- oder Drogenmissbrauch zugrunde. Nachdem sie in einem möglicherweise außerordentlichen Zustand fixiert werden mussten, haben die Patienten Gelegenheit, mit dem Personal über das Geschehene zu sprechen, wenn es ihnen wieder besser geht.

Im Jahre 2018 mussten in der Klinik 226 Patienten fixiert werden. Seit Juli 2018 dürfen nach einem Gesetz des Bundesverfassungsgerichts Patienten nur noch 30 Minuten fixiert werden, ab dann braucht man einen richterlichen Beschluss. Insgesamt sei das Aggressionspotential der Patienten gestiegen, sagt Chefarzt Breitmaier. Das Personal brauche viel Kraft und Fachwissen, um mit Extremsituationen umgehen zu können. „Manchmal werden unsere Mitarbeiter, die diesen Beruf gewählt haben, um Menschen zu helfen, beschimpft und bedroht und dürfen es nicht persönlich nehmen“, so Breitmaier. Eine starke Psyche sei Grundvoraussetzung in diesem Job.