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Freizeitbad Miramar in Weinheim geräumt - drei Personen verletzt

Archivartikel

Nach dem Großeinsatz von Polizei und Rettungskräften im Freizeitbad Miramar am Sonntagabend, wird die Zahl der Verletzten nach unten korrigiert. Zunächst war von fünf Personen die Rede, am Montagmorgen teilt das Polizeipräsidium Mannheim auf Anfrage der Redaktion mit, dass lediglich drei Betroffene in einem Krankenhaus behandelt werden mussten. Darunter eine 32-Jährige, eine 20-Jährige und ein 13-jähriges Mädchen. Auch die Schwere der Verletzungen sind nicht so drastisch, wie zunächst vermutet. Die beiden Frauen konnten das Krankenhaus, in das sie zur weiteren Untersuchung gebracht wurden, schon in der Nacht wieder verlassen. Lediglich das Mädchen blieb zur Beobachtung: „Die Beschwerden haben sich aber wieder gebessert, sodass die 13-Jährige heute aus dem Krankenhaus entlassen werden kann“, sagte Dennis Häfner von der Presseabteilung des Mannheimer Polizeipräsidiums. 

Dass am Abend zunächst von einem Säugling die Rede war, ist wohl auf ein Missverständnis zwischen Leitstelle und Einsatzleitung zurückzuführen. „Die Rettungsdienste haben eine falsche Meldung bekommen. Es handelte sich nicht um einen zwölf Monate alten Säugling, sondern um ein 13-jähriges Mädchen“, sagte David Kunerth von der Weinheimer Feuerwehr, der den Einsatz leitete. 

Welche Substanz für die gesundheitlichen Beschwerden gesorgt hat, ist mittlerweile bekannt. „Bei dem Stoff, der an der Badebekleidung in erhöhter Konzentration gesichert wurde, handelt es sich um eine Flüssigkeit. Diese ist häufig in Reinigungs-, Desinfektions- und Putzmitteln zu finden. Ob besagte Flüssigkeit ausgetreten oder ausgebracht wurde, ist nun Bestandteil der Ermittlungen“, erklärte Dennis Häfner.  Auch der Badebetrieb könne am Montag wieder aufgenommen werden, zumindest aus polizeilicher Sicht spreche nichts dagegen. „Es gibt keine Mängel, die Messungen haben keine Besonderheiten gezeigt“, sagte der Polizeisprecher. 

Miramar wartet Ermittlungen ab

Die Betriebsleitung des Freizeitbades habe alle Anlagen in Augenschein genommen und dabei keine Fehlfunktionen festgestellt. Weiter heißt es in der Pressemitteilung: „Es gibt in regelmäßigen Abständen Sicherheitsbegehungen, alle Anlagen unterliegen technischen Normen und werden entsprechend geprüft und gewartet." Was den ausgetretenen Stoff betrifft, wolle man die Ermittlungen der Polizei abwarten.

Die Geschäftsführung macht auch deutlich, dass es, in Anbetracht von jährlich rund 700.000 Besuchern, nur sehr wenig Unfälle gäbe. Die gingen außerdem „ganz überwiegend“ auf ein Selbstverschulden von Gästen zurück. „Für Fehlverhalten gegenüber sich selbst oder Dritten ist das Miramar nicht verantwortlich, trifft aber immer entsprechende Maßnahmen. Die wenigen Gäste, die sich nicht benehmen können, erhalten ein Hausverbot, damit alle anderen einen wunderbaren Tag (...) genießen können“, schreibt der Berater des Bades. 

Bei Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst bedankt sich das Miramar für den „vorsorglichen“ Einsatz: „An erster Stelle steht immer das wohl der Gäste und deshalb ist es richtig, auch in Verdachtsfällen vorsorglich zu handeln, selbst falls sich hinterher herausstellt, dass es sich um einen Fehlalarm oder eine reine Vorsichtsmaßnahme handelt“, lässt Marcus Steinhart, Geschäftsführer des Miramar, mitteilen. 

So lief der Einsatz im Miramar

Als sich die erste Betroffene am Sonntagabend beim Badpersonal mit Schmerzen und Hautreizungen, die nach dem Anziehen der Badekleidung aufgetreten sein sollen, meldete, wurde ein Rettungswagen angefordert. Weitere Personen im Saunabereich klagten über ähnliche Symptome, weshalb schließlich der Großeinsatz ausgelöst wurde. Rund 4500 Besucher befanden sich zu diesem Zeitpunkt im Freizeitbad, schreibt die Polizei in einem ersten Bericht in der Nacht von Sonntag auf Montag. Dann wurde der Saunabereich komplett abgesperrt. 

Kurz nach 21 Uhr wurden die übrigen 1400 Personen, die sich noch im Miramar aufhielten, aufgefordert, das Bad zu verlassen. Hierbei soll es keine besonderen Vorkommnisse gegeben haben, „die Besucher verließen ruhig und besonnen das Freizeitbad“. Das bestätigte auch das Miramar in seiner Pressemitteilung: Alles sei ohne Aufregung und nicht im „Notfallmodus“ abgelaufen. Im Eingangsbereich wurde dann eine Betreuungsstation eingerichtet. Alle Gäste, die das Bad nun verließen, wurden im Hinblick auf gesundheitliche Beschwerden und zu der möglichen Feststellung der Ursache befragt. Dabei wurden 66 Personen von den Rettungskräften in Augenschein genommen.

Parallel war eine „Taskforce“, bestehend aus der Kriminalpolizeidirektion Heidelberg, dem Kriminalkommissariat Mannheim, der Berufsfeuerwehr Mannheim und der Werksfeuerwehr der Firma Freudenberg damit beschäftigt, die Ursache der Atemwegs- und Hautreizungen zu ermitteln. Experten der Kriminaltechnik haben sich der Spurensicherung gewidmet, während die Feuerwehren mit hochtechnisierten Messgeräten weitere Gefahren ausschlossen. Bei dem Großeinsatz waren auch die Feuerwehren aus Lützelsachsen/Hohensachsen und Weinheim Stadt beteiligt.