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Grillrauch am Mannheimer Marktplatz: Gastronom bietet Schritte an - Stadt am Zug

Mannheim.Im Konflikt über Geruchs- und Rauchbelästigungen aus Grillrestaurants in Mannheim haben Betreiber angeboten, ihre Abluftfilter technisch aufzurüsten. Allerdings müsse ihnen die Stadt dabei finanziell entgegenkommen, sagte Gastronom Yilmaz Akilmak am Freitag bei einer Anhörung des Petitionsausschusses des Landtags. Er und seine Kollegen sähen die Probleme mit dem Qualm am Marktplatz sehr wohl und wünschten eine Lösung. Die Gastwirte dürften aber nicht auf den ganzen Kosten sitzenbleiben. Die für einen Wasserfilter genannten Kosten reichen von 15 000 bis 30 000 Euro.

Die Stadt, mit der man seit zwei Jahren im Gespräch sei, habe auf den Vorschlag nicht reagiert. Akilmak: "Wir wollen nicht schließen und mit den Mitbürgern friedlich leben." Fritz Lipphardt vom Initiativkreis gegen Grillrauch betonte, man wolle die Restaurants auch nicht schließen. Andererseits müsse die Lebensqualität für die Anwohner wieder hergestellt werden. "Das Lüften und das Nutzen der Balkone ist in heißen Sommern nicht möglich."

Nach zehn Jahren Kampf für frische Luft in der Mannheimer Innenstadt habe die Initiative ein "letztes Fünkchen Hoffnung" auf den Erfolg ihrer Petition. Grünen-Stadtrat Gerhard Fontagnier begrüßte den Vorschlag der Gastronomen: "Jetzt ist die Stadt am Zuge."

Für die Stadt kündigte der Leiter des Umweltamtes, Jürgen Hammer, an, ein Institut mit der Messung der Geruchsbelästigung zu beauftragen. Für das Gutachten seien zwischen 30 000 und 40 000 Euro einkalkuliert. Ergebnisse seien aber nicht vor dem Jahreswechsel zu erwarten. Überdies will die Stadt mit einer vom Gemeinderat noch zu beschließenden Bebauungsplanänderung weitere Grillrestaurants verhindern. Derzeit sollen zwei Anträge für den Betrieb solcher Gaststätten vorliegen. Am Marktplatz und dessen näherer Umgebung gibt es bereits 22 Restaurants, die Fleisch vom Holzkohlegrill servieren.

Beschwerdeführer Lipphardt zeigte sich erfreut über das geplante Gutachten: "Es ist gut, dass das jetzt passiert." Appelle der Stadt in der Vergangenheit, die betroffenen Bürger sollten gegen die Gastronomen klagen, seien unrealistisch. Denn diese hätten die Mittel für den Gang zum Gericht nicht.

Für den Leiter der Anhörung, den Mannheimer Landtagsabgeordneten Boris Weirauch (SPD) wäre die Stadt am Zug, den Rechtsrahmen auszuschöpfen. Sie könne auf Basis des geplanten Gutachtens Verbesserungen der Feuerungsanlagen verordnen und bei Verstößen vor Gericht ziehen. Am besten sei aber eine sozialverträgliche Lösung.

Gregor Stephani vom Umweltministerium verwies auf Aktivitäten des Landes gegen die dicke Luft. So solle die Immissionsschutzverordnung künftig auch für Feuerungsanlagen zum Grillen von Speisen gelten. Diese von Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen geforderte Ausweitung der Verordnung sei vom Bundesrat bereits beschlossen worden. Auf das Land alleine gehe eine ebenfalls vom Bundesrat gebilligte Mindesthöhe für Schornsteine dieser Gaststätten von 40 Zentimetern über dem First des Gebäudes zurück. Stephani äußerte sich zuversichtlich, dass der Bund die Verschärfungen mittrage. Einen Nachteil nannte er aber: "Alle Änderungen gelten erst für Neuanlagen."

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