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Heidelberger Druck auf Wachstumskurs

Archivartikel

Wiesloch.Das Traditionsunternehmen Heidelberger Druckmaschinen hat schwierige Jahre hinter sich. Nun könnte sich das das Blatt wenden. Der Grund: Die Nachfrage nach Verpackungsdruckmaschinen und die neuen digitalbasierten Rundum-Sorglos-Pakete für Kunden. "Ich erwarte für das ablaufende Geschäftsjahr nach einigen Jahren erstmals wieder ein moderates Wachstum bei Umsatz und Nettoergebnis", sagt Vorstandschef Rainer Hundsdörfer der Deutschen Presse-Agentur in Wiesloch (Rhein-Neckar-Kreis). Damit werde die Prognose für 2018/19 (31. März) aller Voraussicht nach erreicht.

Das Unternehmen mit 11 500 Beschäftigten setzte im vergangenen Geschäftsjahr 2,42 (Vorjahr 2,52) Milliarden Euro um. In vier Jahren will Hundsdörfer den Umsatz auf 3 Milliarden Euro steigern und das Nettoergebnis auf mehr als 100 Millionen Euro. Zum Vergleich: Das Ergebnis nach Steuern betrug 2017/18 rund 14 Millionen Euro.

Wachstumsmotor ist das Geschäft mit Maschinen für das Bedrucken von Verpackungen, seien es Offset- oder immer häufiger digitale Druckmaschinen. Darauf entfällt heute ein Anteil von 35 Prozent des Umsatzes. Geht es nach Hundsdörfer, wird in ein paar Jahren die 50-Prozent-Marke überschritten. Denn der Debatte um Verpackungsmüll zum Trotz nehme der Bedarf an Schachteln jeglicher Art zu. "Weltweit gehen die Menschen immer weniger auf den Wochenmarkt, sondern in Supermärkte und Kaufhäuser, die ihre Waren verpackt anbieten."

Die Nachfrage wachse auch durch E-Commerce. Hundsdörfer: "Der Hersteller möchte die Kaufentscheidung im Wohnzimmer durch eine Wertanmutung der Ware zu seinen Gunsten beeinflussen - dafür braucht er Technologie von Heidelberger Druck." Auch bei Kosmetika und Spirituosen diene Verpackung dazu, Ware zu veredeln und unterscheidbar zu machen.

Laut dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau wächst der Markt für Verpackungsdruckmaschinen im Jahr in Deutschland um drei und weltweit um fünf Prozent. Verpackungen würden hochwertiger und der Bedarf nach Behältnissen für ehemals lose Ware und Fast Food wachse, sagt Geschäftsführer Markus Heering.

Heidelberger Druck hat neben Druckmaschinen auch Stanz- sowie Falt- und Klebemaschinen im Sortiment. Letztere kommen von der kürzlich zu 8,5 Prozent beteiligten chinesischen Masterwork Group. Diese hatte das Geschäft mit den Weiterverarbeitungsmaschinen 2014 erworben. Zugleich übernahm Heidelberger Druck den weltweiten Vertrieb dieser Maschinen - China und Japan ausgenommen. Kosten einsparen wollen die Partner, indem sie gemeinsam Teile und Komponenten beschaffen. Davon soll auch das Heidelberg-Druck-Montagewerk bei Shanghai profitieren.

Die Zahl der 500 Beschäftigten in dem am schnellsten wachsenden Markt werde steigen, sagt Hundsdörfer. "Das hat aber keinen Einfluss auf die 7200 Arbeitsplätze in Deutschland", versicherte er. Mit der Arbeitnehmerseite sind betriebsbedingte Kündigungen vertraglich ausgeschlossen. Der Heidelberger IG-Metall-Chef Mirko Geiger glaubt aber, dass mit der bevorstehenden Pensionierungswelle Stellen wegfallen werden.

Neben Maschinen spielen digitale Geschäftsmodelle eine immer größere Rolle. Heidelberger Druck will Kunden künftig passgenau Verbrauchsmaterial wie Farben und Platten versorgen. Schlüssel zu diesem Markt sind die Daten der rund 11 000 Maschinen und die Software der Kunden, mit denen Heidelberger Druck vernetzt ist. "Wir garantieren auf dieser Basis dafür, dass alles immer da ist", erklärt der 62-jährige Wirtschaftsingenieur. Im laufenden Geschäftsjahr erlöste Heidelberger Druck mit diesem Service 120 Millionen Euro.

Auf die Bequemlichkeit der Kunden zielt auch das neue Abo-Modell: Der Kunde kauft keine Maschine, sondern schließt mit Heidelberger Druck einen Fünf-Jahres-Vertrag ab. Hundsdörfer: "Er bezahlt nur, was als bedruckter Bogen hinten rauskommt." Gerade in unsicheren Zeiten wie dieser mit dem bevorstehenden Brexit und dem Handelskrieg zwischen USA und China verschöben Druckereien Investitionen. Das Paket mit Bereitstellung der Maschine samt Materialien, Software und Service komme dem entgegen. Bislang seien über 20 Verträge - zu jeweils einer Million Euro im Jahr - abgeschlossen worden, bis Ende März sollen es 30 sein, Ende des kommenden Geschäftsjahrs 100.