Biblis

Atomkraftwerk Biblis Auch Block B brennstofffrei / Jetzt müssen 63 000 Tonnen Anlagen-Material abgebaut werden

15 Jahre Arbeit mit strahlenden Teilen

Archivartikel

Biblis.Der Block A des abgeschalteten Bibliser Atomkraftwerks ist seit Ende 2016 brennstofffrei. Seit dem Wochenende befinden sich nun auch in Block B keine Brennelemente mehr. Das teilte Eigentümer RWE am Montag mit. Damit seien mehr als 99 Prozent der Radioaktivität aus der Betriebszeit entfernt, heißt es in der Pressemitteilung. Das verbleibende Prozent bestehe aus radioaktiven und radioaktiv verschmutzten Anlageteilen, erklärte Pressesprechen Alexander Scholl auf Nachfrage dieser Zeitung. Ihre fachgerechte Demontage sei Aufgabe für die kommenden 15 Jahre, so Scholl.

Das radioaktive Material werde zerkleinert, verpackt und im Zwischenlager neben dem Werksgelände untergebracht, sagte Scholl. Die Verantwortung für dieses Standortzwischenlager ist zum Jahresbeginn an den Bund übergegangen. Die bundeseigene Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) verwaltet und betreibt es.

55 000 Tonnen freigemessen

Die zerkleinerten Anlagenteile bleiben solange am Standort Biblis, bis sie vereinbarungsgemäß zur weiteren Lagerung zum Schacht Konrad in Salzgitter gebracht werden können. Das wiederum hänge davon ab, wann Konrad aufnahmebereit sei, sagte Sprecher Scholl. Nach der letzten Information, die RWE dazu vorliege, sei von Mitte der 2020er Jahre auszugehen. Das kontaminierte, also radioaktiv verschmutzte Material werde mit den entsprechenden technischen Methoden dekontaminiert, erklärte Scholl.

In den beiden Blöcken warten addiert 63 000 Tonnen verschmutzte oder aktive Anlageteilen auf ihren Abbau – die Gebäudeteile nicht inbegriffen. Ziel von RWE sei, „55 000 Tonnen davon in die Freigabe zu bekommen“, betonte Sprecher Scholl. Sogenanntes freigemessenes Material geht in den normalen Wertstoffkreislauf.

Seit Ende 2015 wurden nach Werksangaben 23 Castoren aus Block A ins Standortzwischenlager gebracht. Nun befindet sich auch der letzte der 28 Behälter aus dem Block B dort. Laut RWE handelt es sich um die größte zusammenhängende Castor-Beladekampagne in Deutschland – und das „ohne Auffälligkeiten“. Die Kampagne habe insgesamt über drei Jahre gedauert, es sei teilweise im Schichtbetrieb rund um die Uhr gearbeitet worden. Das Personal sei zuvor intensiv geschult worden. Das Standortzwischenlager in Biblis ist für insgesamt 135 Castoren ausgelegt. Mit den Behältern aus Block B sind dort aktuell 102 dieser Behälter gelagert.

Nikolaus Valerius, als Vorstand bei der RWE Power AG für die Sparte Kernenergie zuständig, bezeichnet das als „Meilenstein“. Das Unternehmen zeige, dass es liefere und den Rückbau vereinbarungsgemäß vollziehe. Valerius: „Genau das ist im Interesse eines unverzüglichen Rückbaus, zu dem wir stehen, und der auch im Interesse der Region ist.“

Der Leiter der Anlagen in Biblis und Nachfolger von Horst Kemmeter in diesem Amt, Matthias Röhrborn, sagte, es seien die Voraussetzungen für einen zügigen und sicheren Abbau der Blöcke gegeben.

Von einem „Meilenstein“ sprach am Montag auch Priska Hinz (Grüne). Die hessische Umweltministerin feierte die Brennstofffreiheit der beiden Bibliser Blöcke: Die Ära der Atomenergie ist auf dem Papier beendet worden. In Hessen schaffen wir Fakten: Es gibt keinen Weg zurück.“ Der reibungslose Ablauf der Castor-Beladung zeige, „wie gut alle Beteiligten gearbeitet haben“, zitiert das Umweltministerium seine Chefin in einer Pressemitteilung.

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