Biblis

Kraftwerksgespräch AKW-Leiter Horst Kemmeter berichtet von Fortschritten beim Rückbau

„15 Jahre sind realistisch“

Archivartikel

Biblis.Seit einem Jahr läuft im abgeschalteten Atomkraftwerk in Biblis der Rückbau. Beim inzwischen 71. Kraftwerksgespräch mit geladenen Gästen berichtete Kraftwerksleiter Horst Kemmeter über den Fortschritt der umfangreichen Arbeiten innerhalb des Geländes. Am Sonntag sind die letzten Brennelemente aus Block B geholt worden. In einen Castor verpackt verließen sie mittels Kran das Reaktorgebäude und wurden in das benachbarte Zwischenlager für Brennelemente transportiert. Block A ist schon seit Ende 2016 frei von Brennstoffen.

Wie viele Castoren stehen in dem Brennelement-Zwischenlager?

Seit Sonntag befinden sich dort 101 Castoren. Die Halle steht auf dem Gelände des Atomkraftwerks Biblis.

Kommen noch weitere Atommüll-Behälter hinzu?

Im Moment befinden sich noch 274 Brennstäbe in Block B. Laut Kraftwerksleiter Horst Kemmeter sind dies defekte Brennstäbe aus dem Leistungsbetrieb, die nun in sogenannte Köcher eingestellt sind. Die Stäbe sollen in einen Castor verpackt und ebenfalls ins Zwischenlager gebracht werden. Dann werden dort 102 Behälter mit hochradioaktivem Material lagern. Zusätzlich werden bis zu sieben Castoren mit Atommüll aus der Wiederaufbereitungsanlage aus dem englischen Sellafield erwartet. Voraussichtlich kommen diese 2019 oder 2020 in Biblis an. Insgesamt ist die Halle für 135 Castoren ausgelegt.

Wie lange wird das Brennelement-Zwischenlager in Biblis bestehen bleiben?

In Deutschland gibt es bis heute kein Endlager für hochradioaktiven Atommüll. Die Suche nach einem geeigneten Standort läuft – dieser soll bis 2031 gefunden sein. Falls das gelingen sollte, stünde zu diesem Zeitpunkt aber immer noch kein Endlager zur Verfügung. Der Bibliser Bürgermeister Felix Kusicka stellte daher fest: „Ich bin nicht der Meinung, dass ich es noch erleben werden, dass hier die ersten Castoren in Richtung Endlager verladen werden.“

Wird weiterer Atommüll auf dem Kraftwerksgelände gelagert?

Es gibt bereits ein Zwischenlager für schwach- und mittelradioaktiven Atommüll auf dem Gelände. Ein weiteres Lager entsteht gerade. Die neue Halle soll zum Jahresende in Betrieb gehen. Kraftwerksbetreiber RWE hatte den Neubau beantragt, um das beim Rückbau anfallende radioaktive Material aufbewahren zu können, bis Schacht Konrad als Endlager für schwach- und mittelradioaktiven Atommüll zur Verfügung steht.

Wie geht es mit den Zwischenlagern in Biblis weiter?

Ab 2019 wird die bundeseigene Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) die Verantwortung und den Betrieb des Brennelement-Zwischenlagers übernehmen. Die beiden Lager für schwach- und mittelradioaktiven Abfall übernimmt die BGZ dann 2020. Wie BGZ-Bereichsleiter Michael Hoffmann erläuterte, werden sich zunächst 14 Mitarbeiter um den Betrieb des Brennelement-Zwischenlagers kümmern. Zusätzlich wird es einen Objektschutz geben. Sobald die beiden anderen Zwischenlager in den Verantwortungsbereich der BGZ fallen, werde sich die Mitarbeiterzahl erhöhen, aber im zweistelligen Bereich bleiben.

Ist der Rückbau des Atomkraftwerks von außen zu sehen?

Der Rückbau findet hauptsächlich in den Gebäuden statt. Wie Kemmeter erläuterte, werden dort Anlagenteile ausgebaut. Bei großen Komponenten wie zum Beispiel bei den insgesamt acht Dampferzeugern seien dafür umfangreiche Vorbereitungen erforderlich. Dazu gehöre der Abbau der Hauptkühlmittelleitungen. Ab Oktober könne mit dem Ausbau der in Block A befindlichen vier Dampferzeuger begonnen werden. Diese Aufgabe übernehme ein Konsortium aus Nukem und EWN (Entsorgungswerk für Nuklearanlagen GmbH). Die Dampferzeuger würden teilweise vor Ort zerlegt. Größere Teile sollen am EWN-Standort in Lubmin weiter auseinandergenommen werden.

Wie lange wird der Rückbau dauern?

„Wir haben gut an Fahrt aufgenommen. 15 Jahre für den Rückbau sind nach wie vor realistisch“, so Horst Kemmeter.

Das Wichtigste von heute
Newsticker Südhessen Ticker
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional