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Heimatgeschichte Forschungsprojekt zur ehemaligen Kriegsbrücke in Nordheim / Schüler des Lessing-Gymnasiums beteilitgt

Acht neue Fundamente gefunden

Archivartikel

Nordheim.Für Günter Mössinger und sein Team vom Verein für Heimatgeschichte Nordheim ist es wie ein Sechser in Lotto: Beim Forschungsprojekt an der ehemaligen Kriegsbrücke in Nordheim am Rhein wurden acht neue Fundamente gefunden.

„Damit haben wir nicht gerechnet, die Arbeit hat sich gelohnt“, zeigte sich Vorsitzender Mössinger begeistert. Zumal bei diesen Funden auch Neuntklässler (9e) des Lessing-Gymnasiums aus Lampertheim beteiligt waren. Die Jugendlichen halfen bei den Ausgrabungen mit und erlebten hautnah einen Teil deutscher Geschichte.

Gebannt lauschten die Schüler zuerst drei Zeitzeugen, welche ihnen von der Brücke berichteten, wie sie aussah und dass sie selbst diese einst überquert hatten. Die Brücke wurde 1939/40 im Auftrag der Deutschen Wehrmacht von der Firma Holzmann erbaut und diente auch dem zivilen Verkehr. Bei Kriegsende 1945 wurde die Brücke gesprengt und abgetragen. Einige alte Bilder sind noch vorhanden, die gemeinsam mit den Zeitzeugenerzählungen das bauliche Puzzle immer mehr zusammensetzen.

Auch Bruno Gündling vom Heimatmuseum Bürstadt brachte Bilder der damaligen Brücke mit. „Sie wurden größtenteils von der Rheindürkheimer Seite gemacht“, berichtete er. Man sieht die Soldaten, die die Brückenzugänge und auch Teile der Schwenkvorrichtung bewachten. „Denn die Brücke musste aufgrund des Schiffsverkehrs geöffnet werden können“, sagte Gündling.

Luftaufnahmen ausgewertet

Ein erstes Fundament auf hessischer Seite in Nordheim wurde vor einigen Jahren entdeckt. In diesem Jahr konnte Günter Mössinger ein weiteres aufspüren. „Wir haben uns dann Luftaufnahmen angeschaut und konnte noch mehr Fundamente auf der Wiese entdecken“, erzählte Gisela Gibtner vom Heimatverein.

Doch die größte Überraschung sahen sie nicht kommen: Im angrenzenden Wäldchen fanden sich weitere Fundamente. Diese spürte Dieter Heumann aus Bürstadt auf, ein Freund von Günter Mössinger. Er verfügt über eine Genehmigung des Landes Hessen, bestimmte Gebiete mit Metallsonden absuchen zu dürfen. „Da die Fundamente Stahl beinhalten, konnten wir sie schnell finden“, so Heumann. Dank der Sonde entdeckten die Heimatforscher insgesamt acht weitere Fundamente im Wäldchen. Eine sensationelle Entdeckung.

Das Forschungsprojekt wurde vom Landtagsabgeordneten Alexander Bauer (CDU) initiiert und vom Hessischen Minister für Wissenschaft und Kunst, Boris Rhein, unterstützt. Dazu gehört auch, dass der Heimatverein einen Förderantrag gestellt hat, um den Forschungstag mit den Schülern zu finanzieren. Dazu zählten deren Bustransport, die Verpflegung oder die Bereitstellung von bestimmten Gerätschaften. „Wir danken zudem Architekt Bruno Weingärtner, der uns ebenfalls Geräte und Messvorrichtungen für die Ausgrabungen und Protokollierung zur Verfügung gestellt hat“, so Gibtner.

Die Schüler wurden in verschiedene Gruppen eingeteilt. Die einen notierten sich die Berichte der Zeitzeugen. Andere hoben die Fundamente aus, entfernten die Erdschichten, maßen die Löcher aus, in denen einst Holz- oder Stahlverstrebungen befestigt waren. Wieder andere machten Fotografien zu den Ausgrabungsstätten, kategorisierten Funde und notierten alles auf Zeichnungen.

„Wenn wir die Bilder machen, legen wir ein Maßband entlang der Löcher, platzieren einen Kompass und zeigen mit einem Holzstück an, wo Norden ist. Dann wird das Loch mit Nummerierung fotografiert“, erklärte Schülerin Carina Utschakowski. „Dadurch ist gewehrleistet, dass die Löcher nachher exakt bestimmt und auf der Zeichnung eingetragen werden können“, fügte ihr Mitschüler Julian Dicker hinzu.

Die meisten Fundamente zeigten zwei große Löcher, in denen wohl einst Holzpfähle steckten. Außerdem gibt es vier kleinere Löcher, die vermutlich als weitere Verstrebungen dienten. In diesen Löchern fand die Forschungsgruppe zudem kleine Fundstücke, die dann im Burg Stein Museum ausgestellt werden sollen.

Der Forschungstag war nur der Anfang des Projekts. Die Kriegsbrücke wird den Heimatverein ebenso wie die Schüler noch eine Weile beschäftigen. Schließlich ist noch reichlich Nachbereitung nötig. „Wir sind schon gespannt, was wir am Ende alles gemeinsam zusammentragen und erforschen konnten“, freute sich jetzt schon Gisela Gibtner auf die Ergebnisse.

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