Biblis

Akzeptanz in Zentimetern

Archivartikel

Martin Schulte zur Lärmschutzwand in Biblis

Wie es um hehre politische Ansprüche in der Wirklichkeit bestellt ist, das lässt sich mitunter in lokalen Gefilden sehr anschaulich ermessen. Dort, wo Postulate ins Handeln umgesetzt werden sollen, spielt die ungeschminkte Realität. Beispiel: Klimawandel – und Klimapolitik. Brüssel und Berlin schnüren paketweise Konzepte. Einige davon beinhalten die Verkehrswende. Es hat heute keinen Erkenntnischarakter mehr, dass die Bahn unter Klima-Gesichtspunkten dem individuellen Auto- und Lkw-Verkehr vorzuziehen ist.

Nicht dass hier über Bahnpersonal zu schimpfen wäre. Die Vorschriften, nach denen die Mitarbeiter zu entscheiden haben, wären allerdings einer gründlichen Revision zu unterziehen. Wie das Beispiel Biblis zeigt, sind diese Statuten offenkundig nicht zeitgemäß. Die Bahn will ihre Akzeptanz steigern. In erster Linie natürlich bei den zahlenden Kunden. Akzeptanz braucht sie aber auch bei den Menschen, die an ihren Strecken wohnen. Solange sich aber Kommunen und Bürger um Lärmschutzwände in gefühlten Zentimeter-Einheiten mit dem Konzern streiten müssen, wird die Bahn ihr Image nicht korrigieren können. Vom Anspruch der Menschen in der Umgebung von Bahntrassen auf eine unbeschädigte Gesundheit ganz zu schweigen.

Das Staatsunternehmen ist privatisiert, es soll gewinnwirtschaftlich agieren. Das bedeutet, bloß keinen Cent zu viel in vermeintlich renditefreie Ausgaben zu stecken. Das ist im Rahmen der Vorgaben verständlich. Aber es ist der falsche (Verkehrs-) Weg.

 
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