Biblis

Heimatgeschichte Arbeitsgemeinschaft im Kreis Bergstraße stellt 53. Band ihrer Blätter-Reihe im Bibliser Rathaus vor / Ausschließlich Autoren aus der Region dabei

Als die US-Truppen 1945 in Nordheim einmarschierten

Archivartikel

Biblis.Von Minnesänger über den Lorscher Kodex bis hin zu Tagebüchern und dem Schwerpunktthema „Ende des 2. Weltkrieges“ reichen die Themen, die die „Geschichtsblätter Kreis Bergstraße“ aufarbeiten. Nun ist der 53. Band der Arbeitsgemeinschaft der Geschichts- und Heimatvereine im Kreis Bergstraße erschienen. Er wurde im Bibliser Rathaus vorgestellt. Die Artikel stammen allesamt von hiesigen Heimatforschern.

Die „Geschichtsblätter für den Kreis Bergstraße“ beinhalten abgeschlossene Einzeldarstellungen aus der reichen Geschichte des Kreises. Einen Überblick gab Heidi Adam, Vorsitzende der AG. Mal geht es um den Minnesänger Bligger von Steinach, mal um das Spannungsfeld zwischen Erbach und der Kurpfalz. „Günter Körner schreibt über ärmliche Schulverhältnisse oder über die Schützenfeste Anfang des 18. Jahrhunderts“, so Adam. Kleinere Beiträge wecken Interesse in Bezug auf die Gedenkstätte Viernheimer Jägerhaus, versagte Heiratserlaubnisse oder Fürther Schicksale.

Schwerpunktthema dieses Bandes ist das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren. Günter Mössinger, Vorsitzender des Vereins für Heimatgeschichte Nordheim, steuerte zu diesem Thema ein Geschichtsblatt bei. Er berichtet vom Vorrücken der amerikanischen Truppen auf rheinhessischer Seite, nachdem die Wehrmacht alle wichtigen Übergänge und Brücken über den Rhein gesprengt hatte. Die Beschießung von Rheinhessen aus auf das rechte Rheinufer verdichtete sich. In Nordheim brannte die Kirche ab, und eine Granate traf das Alte Rathaus. Dabei wurden vier Menschen getötet. In der Nacht auf den 26. März kam es zur Rheinüberquerung der Amerikaner, unter Beschuss von deutschen Soldaten. Am frühen Morgen wurde Nordheim eingenommen, dann Wattenheim. Ziel war der Flughafen in Biblis. In Nordheim bauten die Amerikaner ihre Pontonbrücke auf und sorgten darüber für Nachschub an Soldaten, Fahrzeuge und Panzer.

Mössinger zeigte sich begeistert, dass hierzu aus der Euler-Schröder-Sammlung sogar ein entsprechendes Bild auf der Titelseite abgedruckt werden konnte. Darauf zu sehen ist die amerikanische Ponton-Brücke bei Worms, neben der zerstörten Nibelungenbrücke und dem rechtsrheinischen Brückenturm. „Der Brückenturm wurde später abgerissen und die Steine zum Bau der Freilichtbühne in Heppenheim wiederverwendet“, fügte Adam hinzu.

Bei der Vorstellung des neusten Bandes waren neben Adam und Mössinger die Autoren Stefan Hebenstreit und Heinz Klee dabei. Hebenstreit recherchierte das Kriegsende für seinen Heimatort Gronau anhand von Aufzeichnungen der 43-jährigen, zweifachen Mutter Maria Rettig. Heinz Klee hat sich mit der Marienkirche in Viernheim auseinandergesetzt, die ein identitätsstiftendes Merkmal im Leben der Gemeinde ist. Aus der Kirche hätte eine Kindertagesstätte werden können. Doch nach intensiver Auseinandersetzung mit ihrer Geschichte bleibe die Kirche nun als Kulturdenkmal erhalten.

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