Biblis

Bibliser Geschichten Kurt Dinges vom Verein für Heimatgeschichte pflegt den Rastplatz, den sein Vater Karl einst angelegt hat

Ausruhen in der Nordheimer „Dummerirr“

Archivartikel

Nordheim.Im Feld entlang des neuen Deiches bei Nordheim gibt es eine ganz besondere Stelle: die Karlsruhe. Dort stehen Bänke. Es gibt einen Tisch für ein Picknick. Und die Büsche und der Rasen dort werden gepflegt. „Gerade in der Corona-Zeit wurde und wird sie viel von Radfahrern und Ausflüglern genutzt“, bestätigte Kurt Dinges.

Er ist der Sohn von besagtem Karl, der früher Landwirt war und hier einen Teil seine Felder hatte, in der „Dummerirr“. Hier hat er sich ein Stück aus der Bewirtschaftung herausgenommen, Büsche und Bäume gepflanzt und verschiedene Sandsteine aufgestellt. Die allermeisten davon hat er selbst behauen. Oftmals griff er recht früh morgens zu Hammer und Meißel, manchmal zum Leidwesen der Nachbarn. Einige Steine hat ein professioneller Bildhauer bearbeitet. „Mein Vater ist 2004 verstorben, und seitdem schaue ich auf dem kleinen Areal nach dem Rechten“, so Kurt Dinges.

„Dummerirr“ ist einer der interessantesten Flurnamen im Ortsteil. Die Fläche ist zu finden, wenn man den Neudeich in Richtung Steiner Wald entlanggeht oder radelt. Die Schreibweise hat sich in der Vergangenheit leicht gewandelt, Mal mit einem „u“ – oder auch „Dommerirr“ mit „o“ geschrieben. Der Verein für Heimatgeschichte, in dem auch Kurt Dinges und dessen Sohn Alexander Mitglied sind, hat dazu einiges zusammengetragen. „In ganz alten Unterlagen findet sich die Schreibweise ,Dhumbherirr’“, so Vorsitzender Günter Mössinger.

Er hat seine eigene Theorie, was der Name bedeutet. Die Irren waren feuchte, moorige Bereiche, in denen durch entweichendes Methangas aus dem Untergrund Irrlichter entstehen konnten. Rätselhaft bleibt hingegen das Wort „Dhumb“. „Das könnte auf die früheren geistlichen Besitzer, die Domherren, hinweisen“, vermutete Mössinger. Nordheim gehörte früher dem Bischof von Worms, dem Domstift. Auch in Biblis bei der „Pfaffenau“ ist zu erkennen, dass dieses Gelände – das früher durch hoch stehendes Weschnitzdruckwasser oft vernässt war – den geistlichen Herren zugeschoben wurde.

Denn im Mittelalter und in der frühen Neuzeit gab es noch keine Katasterämter. Die Lage der Liegenschaften hatten die örtlichen Ratsmitglieder festzulegen. Die geistlichen Institutionen hatten in ihren Büchern meist lediglich die Höhe des jährlichen Ertrags und die zahlungspflichtige Gemeinde festgehalten. Erst als die Herren genauer wissen wollten, wo ihr Stück liegt, haben die Ratsmitglieder die Dorfältesten befragt. So kam es, dass die damals schlechten Stücke an die Geistlichkeit fielen, die keine natürlichen Nachkommen hatte.

Der Begriff „Dhumb“ könnte allerdings auch dafür stehen, dass dort ein schwerer, „dumper“ Boden ist. Das Gelände zählt zu den wuchtigen, vermoorten Auenlehmböden, die bei den früheren höheren Grundwasserständen stark vernässt waren und schlechte Erträge brachten. „Durch die heutigen Maschinen ist das Bearbeiten leicht geworden. Aber in früherer Zeit, in der man teilweise mit Kühen und Pferden gepflügt hat, war es extrem mühsam, den lehmigen Boden umzuwälzen“, meinte Kurt Dinges.

Das Wichtigste von heute
Newsticker Südhessen Ticker
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional