Biblis

Verein für Heimatgeschichte 75 Jahre nach Kriegsende ist Interesse der Enkelgeneration groß / Autorin erzählt vom Großvater, den sie nie kennen gelernt hat

Ausstellung gibt Gefallenen ein Gesicht

Nordheim.Meinen Großvater Friedrich Dirigo kenne ich nicht. Selbst mein Vater, der den gleichen Namen trägt, hat nur ganz dunkle Erinnerungen an ihn. Opa starb im Zweiten Weltkrieg, als mein Vater gerade mal vier Jahre war.

Als ich davon hörte, dass der Verein für Heimatgeschichte in Nordheim eine Ausstellung zu 75 Jahre Kriegsende plant und dort die Gefallenen der Großgemeinde näher ins Licht rücken will, hab ich mich dazu entschieden, private Bilder und Schreiben zum Tod meines Großvaters abzugeben, weil ich die Arbeit des Vereins gut kenne, schätze und journalistisch schon viele Jahre begleite.

Sprengkörper explodierte

Mein Opa ist 1907 in Worms geboren, war wahrscheinlich Zimmermann, aber es gibt davon keine Unterlagen mehr. Er war bei einem Sonderkommando der Bauorganisation Todt an verschiedenen Frontabschnitten im Einsatz, auch in Griechenland. 1944 bewachte er mit Kameraden im französischen Rieux russische Gefangene. Auf einem Feld in der Nähe ging am 17. August ein Sprengkörper nieder, aber es wurde vermutet, dass es ein Benzinkanister war. Mein Großvater lief mit zwei Deutschen, einem Franzosen und 13 Russen zu dem vermeintlichen Kanister, um ihm zu entleeren, denn Benzin war in dieser Zeit sehr wertvoll. Allerdings explodierte der Sprengkörper. Alle Männer starben.

Opa wurde 37 Jahre alt und hinterließ meine Oma Anna Maria und seinen kleinen Sohn – meinen Vater – Friedrich in der Bibliser Neugasse, heute Hochschildstraße. Seine letzte Ruhestätte fand er bei den Unbekannten Soldaten auf dem Friedhof Champigny-St. Andre. Dort hat ihn mein Vater auf einer Reise in die Normandie vor rund zwölf Jahren auf der Liste der Gefallenen gefunden.

Mit diesen Materialien hat der Verein eine der Tischvitrinen für die Ausstellung ausgestattet, und ich war zusammen mit meinem Vater am Eröffnungstag im Burg Stein Museum. Der Verein ist zwar gut über die Gefallenen aus Nordheim informiert. Aber viel mehr als nur die Namen ist über die anderen verstorbenen Soldaten aus der Großgemeinde nicht bekannt. „Wir haben zuerst die Denkmäler auf den Friedhöfen fotografiert und daraus eine alphabetische Liste mit mühsam ermittelten Geburts- und Sterbedaten erstellt. Unser Ziel ist es, die Liste mit möglichst vielen Details zu ergänzen“, so Vorsitzender Günter Mössinger.

Er weiß, dass die betroffenen Heimkehrer selbst meist nur sehr wenig vom Krieg erzählt haben. Umso schwieriger ist es, an Informationen zu kommen. Und er stellt fest, dass das Interesse der Enkelgeneration sehr stark ist. „Alle Erkenntnisse sollen in Ordnern gesammelt werden, in denen Schüler nachschlagen können“, kündigt Mössinger an.

Neben der langen Liste der Gefallenen sind viele weitere Bilder, Dokumenten wie Wehrpässe oder Uniformabzeichen ausgestellt. Auf den Bildern sind oft glückliche Familien zu sehen. Der Tod der Männer hat dieses Glück in tiefe Trauer verwandelt.

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