Biblis

Kraftwerksgespräch Akteure werben für die Chance nach der Stilllegung / Investitionen steigen wieder

Beim Rückbau "nach vorne schauen"

Biblis.Beim 70. Kraftwerksgespräch in Biblis hat Leiter Horst Kemmeter zunächst die jüngsten Schritte in den Verfahren referiert: Genehmigung zum Rückbau der Blöcke A und B am 30. März dieses Jahres, Genehmigung zur Umsetzung dieser Erlaubnis am 1. Juni, seitdem erste vorbereitende Arbeiten im Kraftwerk. Etwa 100 geladene Gäste waren der Einladung zum Gespräch im Infozentrum des Werks gefolgt.

Kemmeter wiederholte seine bereits vielfach kommunizierte Erklärung, wonach diese Genehmigungen nicht bedeuteten, das Unternehmen könne jetzt einfach so loslegen. Vielmehr sei jede einzelne Abbaumaßnahme begutachtungs- und genehmigungspflichtig. Der Rückbau vollziehe sich von innen nach außen. Ziel ist, so Kemmeter, die Anlage in 15 Jahren aus dem Atomgesetz zu entlassen. Das heißt, bis dahin soll sie vollständig dekontaminiert sein.

Nachdem Block A seit November 2016 brennstofffrei sei, würde es beim zweiten Block 2018 soweit sein. Am Ende stünden dann 102 Castoren in Biblis im Zwischenlager. Kemmeter: "So lange, bis ein Endlager gefunden ist." Strahlende Abfälle aus anderen Atomkraftwerken würden nicht in Biblis gelagert, beantwortete der Werksleiter eine Frage aus dem Publikum. Wenn es nach dem Willen der europäischen Politik gehe, müssten am Standort noch mal acht Bibliser Castoren aus England aufgenommen werden.

Zur wirtschaftlichen Bedeutung des Kraftwerks für die Region und darüber hinaus erklärte Kemmeter, es gehe wieder aufwärts. Waren 2008 noch Aufträge im Wert von 260 Millionen Euro an externe Unternehmen gegeben worden, sei 2014, dem dritten Jahr nach der Stilllegung, noch etwa 30 Millionen Euro geflossen. Allerdings zögen die Investitionen, die der Rückbau erfordere, nun wieder an: In diesem Jahr hat RWE bereits Aufträge für rund 65 Millionen Euro vergeben. 18 Millionen seien im Umkreis von 60 Kilometern geblieben, 42 Millionen wurden überregional vergeben. So hat RWE eine Höchstdruckanlage zur Dekontamination bestellt, ein neues System zur Wasseraufbereitung sowie Pressen und Sägen. Vor diesem Hintergrund appellierte Kemmeter an alle Beteiligten: "Sehen Sie den Rückbau als Chance, und lassen Sie uns nach vorne schauen."

Christian Küppers vom Darmstädter Öko-Institut erläuterte, wie Deponien für freigemessenen Abfall beschaffen sein müssen, wenn sie nach ihrer Stilllegung wieder für Straßen oder Wohnungsbau genutzt werden sollen. Kemmeter auf die Frage, welche Deponien für Biblis vorgesehen seien: "Das kommt darauf an, welche Deponien der Entsorger anfragt, den wir beauftragen. Aber es gibt diese Deponien in Deutschland."

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