Biblis

Wirtschaft Wandel der Anlage Thema bei Kraftwerksgespräch

Biblis als Blaupause für Rückbau

Biblis.Beim 72. Kraftwerksgespräch im Infozentrum hat Matthias Röhrborn, Leiter des RWE-Standorts Biblis, den Wandel der Meiler vom Atomkraftwerk zu „einer Industrieanlage mit Radioaktivität“ veranschaulicht. Vor etwa 90 geladenen Gästen sagte Röhrborn, Maxime beim laufenden Rückbau sei es, „Wertstoffe zu schaffen und Abfälle zu reduzieren“. Seit dem vorausgegangenen Kraftwerksgespräch vor einem Jahr sind eine Fülle weiterer Schritte vollzogen worden, die der Kraftwerksleiter am Dienstagabend erläuterte.

Matthias Röhrborn hatte die Position im Mai von Horst Kemmeter übernommen, der in den Ruhestand wechselte. „Horst, Du kannst Dir das Kraftwerksgespräch jetzt ganz entspannt von der anderen Seite anschauen“, rief Röhrborn seinem Vorgänger in der zweiten Reihe augenzwinkernd zu.

Rund 700 Menschen hat RWE zu Zeiten des Leistungsbetriebs fest beschäftigt. Derzeit, so Röhrborn, seien es noch etwa 300. Die Zahl der externen Fachkräfte schwankt entsprechend der anfallenden Arbeiten.

In seinem auch für Laien verständlichen Vortrag schilderte der Kerntechniker die bereits vollzogenen Maßnahmen seit Beginn des Rückbaus (wir berichteten mehrfach) und blickte voraus. Die hoch technisierten und automatisierten Verfahren des Vollbetriebs der beiden Blöcke seien längst der Handarbeit in kleinen Arbeitsschritten gewichen. Das betreffe beispielsweise das Zerlegen von Anlageteilen.

Einzelne Arbeitsabschnitte würden der Aufsichtsbehörde zunächst angezeigt und die Ergebnisse abschließend kontrolliert, betonte der Werksleiter. „Wir gehen den Abbau genau so professionell an wie zuvor die Stromerzeugung“, sagte Röhrborn. An dem Ziel, den Rückbau bis 2032 vollzogen zu haben, halte man fest. Die Arbeiten lägen im Zeitplan. Die Konzeptionierung und Umsetzung des Rückbaus in Biblis tauge zur Blaupause für alle weiteren Atomkraftwerke von RWE, sagte Röhrborn.

Nikolaus Valerius, im Vorstand von RWE für Kerntechnik zuständig, skizzierte den gerade erst neu definierten Weg des Unternehmens vom Atom- und Kohleriesen hin zu „einem der weltweit größten Stromerzeuger aus erneuerbaren Energien“. Wenn RWE sich den erneuerbaren Energien zuwende, wende man sich damit jedoch keinesfalls von den Atomanlagen ab, sagte Valerius. Er bestätigte seinen Vorredner, wonach der Rückbau mit höchster Präzision abgearbeitet werde.

Von einem Besucher gefragt, wie man den Offshore-Strom aus dem hohen Norden denn nun in den Süden bekomme, sagte Vorstand Valerius: „Deutschland ist nicht unser Hauptbetätigungsfeld. Hier sind die Genehmigungswege viel zu lang.“

Das Wichtigste von heute
Newsticker Südhessen Ticker
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional