Biblis

Bürger zweiter Klasse?

Zur Verkehrsbelastung in Wattenheim:

Durch die Kurzsichtigkeit einiger Dorfpolitiker vor zirka 40 Jahren bekam Wattenheim – anders als alle anderen umliegenden Gemeinden – keine Umgehungsstraße. Wie überall, nahm der Verkehr stetig zu. Damit auch der Lkw-Verkehr. Die Belastung der Einwohner wurde ständig unerträglicher.

Vor Jahren wurde eine Umgehungsstraße von Worms über Bürstadt in Betrieb genommen: Man durchfährt keine einzige Ortschaft, es gibt kaum Ampeln und somit keine Staus. Für die Lkw ist es kein Umweg. Die Strecke über Bürstadt ist, gemäß Google, sogar 800 Meter kürzer. Trotzdem fuhren immer mehr LKW lieber durch das arme Wattenheim. Schließlich gelang es, die Straße für Lkw zu sperren.

Ich glaube, dass dies auf die Einsicht und Initiative des damaligen Landrat Wilkes in Heppenheim zurückzuführen ist. Der Dank der Wattenheimer sei ihm gewiss. Die Gemeindeverwaltung Biblis ließ kein besonderes Engagement erkennen. Allerdings nahm der Lkw-Verkehr seit einem halben Jahr wieder zu. Ich habe entdeckt, dass es auf der Brückenzufahrt aus Richtung Worms zwei neue Schilder gab. Das erste Schild verbietet den Lkw das Befahren der Landstraße, die durch Wattenheim führt. Rund 100 Meter nach dem Abbiegen gibt es allerdings ebenfalls ein neues Schild, das das Befahren tagsüber erlaubt. Dieselbe Straße aus Richtung Biblis ist für Lkw komplett gesperrt. Was ist das denn für ein Schwachsinn? Ist das mit der bestehenden Straßenverkehrsordnung vereinbar?

Beim Durchfahren von Wattenheim gibt es extreme Engstellen. Teilweise sind die Bürgersteige 70 bis 80 Zenitmeter breit. Mit Rollator oder Kinderwagen fährt man hier besser nicht lang. Die durchfahrenden Lkw, wenn sie einem Bus oder anderen Lastern begegnen, fahren einfach aus Platznot über den Bürgersteig.

Die Häuser, die direkt an der Hauptstraße stehen, werden überwiegend von älteren Mitbürgern bewohnt, die nicht wissen, wie sie sich gegen den Lärm und die Vibrationen, die durch die durchfahrenden Riesen-Laster verursacht werden, wehren sollen.

Der Hausmeister eines Gebäudes wurde bei der Gehwegreinigung schon mehrfach angefahren. Einmal wurde ihm von einem Lkw-Fahrer ein Geldschein angeboten – für den zerschmetterten Besenstiel! Es hätte auch das Rückgrat des Hausmeisters gewesen sein können. Ich habe vor einiger Zeit beobachtet, wie sich ein Lkw und ein Schulbus an einer der Engstellen begegnet sind. Der Laster blieb einfach stur stehen und zwang somit den Schulbusfahrer, auf den Bürgersteig auszuweichen.

Ich habe die Gemeindeverwaltung auf diese Missstände aufmerksam gemacht, aber sie scheint sich nicht zu interessieren. Sollte sich eine Verwaltung nicht vorrangig um die Sicherheit und das Wohl ihrer steuerzahlenden Bürger kümmern? Oder haben Interessen der Transport- und Bauindustrie Vorrang? Zumal die Lkw keinerlei Nachteil erleiden, wenn sie die zur Verfügung stehende Umgehung nutzen. Weshalb nimmt man Abgase, Lärmbelästigung und Lebensgefahr für die Wattenheimer Bürger in Kauf? Man kann sogar beobachten, dass die mit Kies und Erde beladenen Riesen-Laster aus Rohrheim kommend die B 44 verlassen und lieber durch das kleine Wattenheim donnern.

Vorschlag für Kontrollen

Dass Kontrollen aus Kapazitätsgründen schwierig geworden sind, versteht jeder. Offenbar gehört die Polizei bei uns zu den Berufsgruppen, die permanent überlastet und zu allem Überfluss auch noch unterbezahlt sind. Aber man kann doch auch bei Behörden kreativer werden. Weil es viel zu wenige Lehrer gibt, ist man dazu übergegangen, pensionierte Lehrer zurückzuholen. Sogar Berufsfremde bekommen hier eine Chance. Vielleicht wäre der eine oder andere Polizist bereit, auf 400-Euro-Basis in Wattenheim den Verkehr zu überwachen?

Wahrscheinlich gehen alle Beschwerden und Vorschläge ins Leere, wenn die Gemeindevertretung sich nicht für die Probleme der Wattenheimer interessiert. Sind sie Bürger zweiter Klasse, die der Mühe nicht wert sind?

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