Biblis

Bürgerstiftung Experten-Vortrag im Rathaus stößt auf breites Interesse / Fotos und Mail-Verkehr sensible Punkte

Datenschutzverordnung treibt Bibliser Vereine um

Biblis.Was ist in den Vereinen zu tun, nachdem die neue Datenschutzgrundverordnung (DGSVO) in Europa in Kraft getreten ist? Diese Frage stellte sich die Bürgerstiftung Biblis. Sie hatte dazu den externen Datenschutzbeauftragten Hartmut Schmidt aus Griesheim eingeladen, der das Wichtigste erläuterte.

„Die Vereine sind an uns herangetreten und haben sich diese Veranstaltung gewünscht“, erklärte Britta Spatz, die Vorsitzende der Stiftung. Dementsprechend viele Interessierte waren ins Rathaus gekommen, um sich einen Überblick zu verschaffen und Unklarheiten anzusprechen. 26 Vereine aus Biblis und den Ortsteilen waren mit mehreren Vertretern anwesend.

Schmidt hatte seinen Vortag so aufgebaut, dass er zunächst über die Grundlagen der europäischen DGSVO sprach. Die enthält 99 Artikel und 173 Erwägungsgründe. Das Datenschutzrecht verbiete grundsätzlich den Umgang mit personenbezogenen Daten, erlaube dies dann aber doch unter bestimmten Voraussetzungen, zum Beispiel mit der Einwilligung der Betroffenen.

Die Fragen, die vonseiten der Vereine kamen, befassten sich unter anderem mit dem Fotografieren bei Vereinsfesten und öffentlichen Veranstaltungen, besonders wenn die Fotos dann an die Presse gegeben oder im Internet veröffentlicht werden sollen. „Grundsätzlich müssen die Fotografierten unterrichtet werden, wo die Fotos veröffentlicht werden sollen und eigentlich wäre eine schriftliche Einverständniserklärung erforderlich“, so der Experte. Besonders problematisch werde das bei Kindern oder bei Porträts der Betroffenen. Bei Kindern unter 16 Jahren sei immer das Einverständnis beider Elternteile notwendig. Bei Gruppenfotos ab fünf Personen sei das Fotografieren weniger problematisch.

Vereine brauchten dann einen Datenschutzbeauftragten, wenn mindestens zehn Personen mit der automatisierten Verarbeitung personenbezogener Daten zu tun haben. Dies gelte auch für E-Mail-Verteiler. Der Datenschutzbeauftrage dürfe kein Vorstandsmitglied sein und auch nicht derjenige, der die Homepage betreut. „Es ist allerdings auch möglich, dass ein Datenschutzbeauftragter mehrere Vereine betreut“, so Schmidt. Grundsätzlich sollten alle Vereine einen Datenschutzordner anlegen und verschiedene Dinge darin abheften.

Unter anderem sollte sich der Vorstand folgende Fragen beantworten: Wie erfolgt eine Information an die Mitglieder? Wie wird bei Datenpannen vorgegangen? Wer verwaltet die Mitgliederdaten? Besitzt der Verein eigene PCs oder Server? Besonders kritisch sei die Bildung von Whatsapp-Gruppen. „Whatsapp gehört zu Facebook. Beide sind in Bezug auf die DVO nicht sicher. Schon die Gründung einer solchen Gruppe ist nicht zulässig, geschweige denn die Mitteilungen in einer solchen“, warnte der Experte.

Allerdings gab er auch ein Stück weit Entwarnung. „Nicht handeln ist keine Option. Aber man kann es auch übertreiben. Man sollte alles pragmatisch angehen“, riet Schmidt. Und so lange sich niemand über den Missbrauch seiner Daten beschwere, komme auch die Datenschutzbehörde nicht ins Spiel.

Für die Homepages empfahl er die Menüpunkte Impressum und Datenschutzklausel, die von überall auf den Seiten mit einem Klick erreichbar sein sollten. Bei großen und kleinen Vereinen sei der Aufwand in Sachen Datenschutz sehr unterschiedlich. Er empfahl externe Datenschutzbeauftragte, wo es nötig sei.

Info: Infos unter lda.bayern.de und datenschutz.hessen.de

Das Wichtigste von heute
Newsticker Südhessen Ticker
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional