Biblis

Ausflug Gruppe der Behindertenhilfe zu Besuch bei der Burg Stein in Nordheim

Einst in spanischer Hand

Archivartikel

Nordheim.Einen Ausflug ins Grüne und mitten hinein in die Vergangenheit konnte eine Gruppe der Behindertenhilfe Bergstraße Bensheim-Auerbach erleben. Denn gemeinsam mit Rüdiger Glaser vom Verein für Heimatgeschichte Nordheim entdeckten sie die historischen Begebenheiten der Burg Stein.

Im Steiner Wald liegen sie, die Überreste der Burg Stein, deren vorhandene Grundmauern zugleich Zeugen aus vielen Epochen sind. Bei einem Rundgang erklärte Glaser der äußerst interessierten Gruppe alles genau. Einige Teilnehmer schauten sich auch gleich noch nach möglichen Artefakten aus dieser Zeit um, wobei Rüdiger Glaser sie etwas enttäuschen musste, denn solche Funde seien eher unwahrscheinlich.

Zwei Meter dicke Mauern

Glaser sprach über den römischen Burgus. Die mit Gras bewachsenen Mauern sind die Grundmauern des einst wichtigen römischen Kriegshafens Lapide gewesen. Einst ließ Kaiser Valentinian I. entlang der Rheingrenze eine Reihe von Burgi an entsprechenden Stellen bauen, so auch diesen Ländeburgus, der besterhaltene überhaupt aus dieser Epoche. Einst maßen seine Mauer zwei Meter Dicke, und er war drei Stockwerke hoch.

Von den Römern ging es in die Karolingerzeit, aus dieser stammte der karolingische Saalbau mit Kirche. Und weiter ging die Entwicklung der Burg in staufischer Zeit und im Renaissancezeitalter. Es folgte der Übergang der Burg zur Festung des 17. Jahrhunderts und den Geschehnissen des 30-jährigen Krieges. Die Spanier hatten von 1621 bis 1631 als Besatzer zehn Jahre lang das Sagen auf der Burg Stein. Doch dann kam die Streitmacht des Schwedenkönigs Gustav Adolf und zerschlug die spanischen Truppen, die Soldaten flüchteten und steckten die Burg zuvor in Brand.

So blieb nur noch das Steiner Jägerhaus mit Stall, Scheune und Brunnen übrig. Dieses Fachwerkhaus wurde später abgetragen und in Nordheim, Ecke Wormser Straße/Rheinstraße wieder aufgebaut. Bis 1820 befand sich das Gehilfehaus im Wald. Dieses wurde aber ebenfalls abgetragen. Der Wald breitete sich über die historische Stätte aus, bis sie 1970 wieder ausgegraben wurde. „Das war nur möglich, da dieses Forschungsvorhaben von den Firmen RWE und Hochtief mit beträchtlichen Geldsummen unterstützt wurde“, berichtete Rüdiger Glaser. Mit Blick auf den Wald vor der Burg Stein sinnierte er darüber, was dort noch gefunden werden könnte, wenn die entsprechenden Forschungsgelder vorhanden wären. Einige Teilnehmer aus der Gruppe meldeten sich schon mal freiwillig als Ausgrabungshelfer an.

Das Wichtigste von heute
Newsticker Südhessen Ticker
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional