Biblis

Natur Markus Wolter vom Verein für Vogel- und Naturschutz Biblis berichtet über Voraussetzungen für Insektenvielfalt

Gärten sollen Bienen einladen

Biblis.„Denkt doch einfach mal an Willi!“ Markus Wolter vom Verein für Vogel- und Naturschutz Biblis sagt es und lacht. Mit Willi meint er den Freund der kessen Biene Maja. „Das Leben der beiden Trickfilmfiguren im Fernsehen ist allerdings viel einfacher als in der Natur“, erklärt Wolter. Draußen habe sich in den vergangenen Jahrzehnten einiges geändert – zum Schaden der Insekten.

„Die perfekte Bienenwelt für Willi bestände wohl aus blühenden Landschaften, aus unaufgeräumten Gärten und vielen ganzjährig vorhandenen Blühpflanzen in Gärten“, erzählt Wolter. Willi hätte auch Spaß an ganzjährigen Blühstreifen außerhalb von Gärten, wie auf Verkehrsinseln oder Gehwegeinfassungen in Ortschaften. Dies alles könnte abwechslungsreiche Nahrung für Bienen bieten.

Manche „essen“ alles, andere Bienenarten sind auf bestimmte Nahrungsquellen spezialisiert. „Viel Gesumme, viel Gebrumme – diese Geräusche stehen für eine gesunde Umgebung“, erklärt Wolter. Die Realität entspreche Willis perfekter Bienenwelt aber kaum. Stattdessen gebe es intensive Landwirtschaft, den Einsatz von Pestiziden, Artenarmut durch Monokulturen, ausgeräumte Wälder, bei denen kaum Totholz liegenbleibe.

Negative Folgen bewirken auch die vielen versiegelten Flächen, die Flurbereinigungen und fehlende Biotop-Vernetzungen. „Ausgeräumte Landschaften, das heißt, dass es kaum noch Bäume auf Äckern gibt, zu wenige Blühstreifen, ein Mangel an Feldholzinseln, Hecken- oder Randstreifen. Und leider sind Hausgärten oft steril mit wenigen Blühpflanzen, Bäumen und Sträuchern bestückt“, führt Wolter aus.

Klimawandel macht Probleme

Der Klimawandel mache ebenso Probleme wie die Einschleppung fremder Tiere und Pflanzen, welche einheimische Arten verdrängten. „Studien aus Deutschland belegen, dass es in den vergangenen 25 Jahren zu einer Abnahme von Insekten um bis zu 75 Prozent kam“, erläutert Wolter die bedrohliche Lage. Denn fehle es an Insekten, dann habe dies Auswirkungen auf den Menschen. Dies sei vielen gar nicht bewusst.

Insekten hielten durch ihre Bestäubungsleistung die Pflanzenwelt am Leben, sorgten für Artenvielfalt und höhere Erträge. Nicht nur Bienen, sondern auch Mücken, Fliegen, Käfer, Schmetterlinge, Ameisen und Spinnen trügen durch Bestäubung oder Samentransport zur Vermehrung der Flora bei. „Insekten sind ein wichtiger Teil der Nahrungskette, ein wesentlicher Teil des Ökosystems“, betont Wolter. Sie hielten Schädlinge in Schach und sind Futter für viele Tiere. Global betrachtet sicherten Insekten die Ernährung der Menschen, rund ein Drittel aller Nahrungsmittel gehe auf die Bestäubung durch Insekten zurück.

Insekten trügen zu einem guten Bodenklima bei, durch Umlagerung, Durchmischung und Durchlüftung des Erdreiches machten sie dieses fruchtbar. Wenn die Bestäubungskraft durch Insekten fehle, dann würden landwirtschaftliche Erträge geringer.

Um Wildbienen und Insekten zu helfen, gebe es ein paar Schutzmaßnahmen, die auch zu Hause umsetzbar seien. Im Garten sollten Pflanzen wie etwa Hasel, Weiden, Kornelkirschen, Wildrosen, rote Johannisbeeren, Brombeeren, Himbeeren, Efeu oder wilder Wein bevorzugt werden. „Gerne auch artenreiche Blühstreifen – Blühmischungen gibt es im Handel“, motiviert Wolter. Wichtig seien ganzjährige Blühpflanzen als Nektarspender, am besten einheimische Pflanzen mit ungefüllten Blüten, gefüllt Blüten hätten keine Pollen und keinen Nektar.

„Im Garten kann man eine vielfältige und natürliche Umgebung schaffen: durch Hecken, Trockenmauern, Totholz, Steinhaufen oder offene Beete“, skizziert Wolter. Diese „wilden“ Rückzugs- und Nistmöglichkeiten seien wichtig für Insekten. Aber auch die Aufstellung von kleinen Insektenhotels könne helfen. Diese könne man mit wenigen Handgriffen selbst herstellen.

Zu den Schutzmaßnahmen gehöre zudem der Verzicht auf Gifte im Garten, auch auf Unkrautvernichter. Schon mit kleinen Maßnahmen könnte vielen schon geholfen werden.

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