Biblis

Kommunale Zusammenarbeit Netzwerk soll ambulante Versorgung verbessern / Vize-Landrätin Diana Stolz stellt Projekt in Biblis vor

Gemeinsam gegen Ärztemangel

Archivartikel

Biblis.Ein Hausarzt, der über Jahre fester Ansprechpartner für seine Patienten ist und am besten in Biblis praktiziert – das war in Biblis jahrelang eine Selbstverständlichkeit. Doch von drei Allgemeinmedizinern vor Ort ist inzwischen nur noch einer übriggeblieben: Dr. Panagiotis Porikis, dessen Praxis seitdem aus allen Nähten platzt. Nun will sich die Gemeinde am Netzwerk ortsnahe Versorgung Ried (Norie) beteiligen. Vize-Landrätin Diana Stolz war auf Einladung der Bibliser CDU ins Bürgerzentrum gekommen, um über die geplante Arbeitsgemeinschaft zu sprechen.

Das Netzwerk soll dem Ärztemangel entgegenwirken. Biblis stehe mit einem Versorgungsgrad von 57 Prozent nicht gut da, waren sich Stolz und der Bibliser Bürgermeister Felix Kusicka einig. Und auch darüber, dass die Gründung des Netzwerks ein Schritt in die richtige Richtung sei. Denn Nachfolger für die beiden Ärzte, die ihre Praxis aufgegeben haben, stehen keinesfalls Schlange. Im Gegenteil, bisher hat es keinen Allgemeinmediziner nach Biblis gezogen. Um für den Ansturm von mehreren tausend Patienten gewappnet zu sein, hat der letzte verbliebene Allgemeinmediziner Porikis in seiner Praxis Ärzte eingestellt. Im Februar berichtete Porikis den politischen Fachausschüssen, wie schwer es sei, geeignete Mediziner zu finden. Dabei habe Biblis eine gute Infrastruktur zu bieten. Doch die Ärzte könnten sich heutzutage aussuchen, wo sie arbeiten wollen. Viele bevorzugten eine Anstellung und scheuten davor zurück, das Risiko der Selbstständigkeit einzugehen.

Stolz hatte bei ihrem Vortrag in Biblis auch sofort ein Lob für Porikis parat. Denn der Arzt nimmt an dem Programm Landpartie 2.0 teil, das von Studierenden und Lehrärzten der Goethe-Universität Frankfurt mitentwickelt wurde. Dabei lernen die angehenden Mediziner die hausärztliche Versorgung auf dem Land kennen. Zum Beispiel beim Bibliser Hausarzt.

Mit dem Gesundheitshaus hat die Gemeinde im Zuge des Stadtentwicklungsprogramms ein Projekt angestoßen, das Platz für einen Allgemeinmediziner und weitere Angebote aus dem Gesundheitsbereich in der Ortsmitte bieten soll. Nun hat sich die Gemeindevertretung auch beschlossen, an Norie teilzunehmen (wir haben berichtet). Das Netzwerk soll auf der Basis von interkommunaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Gesundheitsvorsorge entstehen. Der Startschuss wird mit Beginn des kommenden Jahres erfolgen.

Es gibt bereits ein Netzwerk im Odenwald, das unter der Abkürzung Novo läuft. „Im Ried werden sechs Kommunen dabei sein“, sagte Stolz. Die Bibliser Nachbarn Bürstadt und Groß-Rohrheim gehören zu den Teilnehmern. Im Odenwald machen neun Kommunen mit.

„Wichtig ist die Vernetzung über die Gemeindegrenzen hinweg“, stellte Stolz fest. Meist sei nicht bekannt, welche Angebote und Möglichkeiten es schon gebe. Die bisherigen Erfahrungen aus dem Odenwald könnten nicht direkt auf das Ried übertragen werden, wo andere Voraussetzungen herrschten. „Die Lösungen hier werden anders aussehen.“

Paula kümmert sich

Deshalb wollte Stolz das Beispiel, das sie aus dem Odenwald anführte, nicht als Vorbild für das Ried verstanden wissen. Ein Projekt von Novo sei die Stelle einer psycho-sozialen Fachkraft auf dem Land. Diese sei beim Kreis angestellt, das Gehalt bezahle das Land, und ihr Büro stelle die Gemeinde Rimbach. „Paula“, unter diesem Namen läuft das Projekt, kümmere sich um Menschen, „die sich unter dem Radar der Mediziner befinden“. Sie kann Kontakt mit isoliert lebenden Menschen aufnehmen, die womöglich Hilfe brauchen. „Es kann reichen, mit jemanden dreimal zum Seniorennachmittag zu gehen, damit die soziale Anbindung gestärkt wird.“

Norie wird mit einer Auftaktveranstaltung ins Leben gerufen. Daran teilnehmen können alle, „die im Bereich Gesundheitsversorgung eine Rolle spielen“, so Stolz. „Dadurch lassen sich Impulse dafür gewinnen, was man hier machen kann.“

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