Biblis

Erzählfest Susanna Tiggemann besucht die Kinder der beiden Bibliser Tagesstätten

Geschichten aus der Muschel

Archivartikel

Biblis.Die Kinder aus den Bibliser Kindertagesstätten Pusteblume und Sonnenschein waren ganz verblüfft, als Susanne Tiggemann die Maultrommel spielte. So etwas hatten sie vorher noch nicht gehört und fragten: "Wie machst du das?" Die Geschichtenerzählerin hatte damit die Kleinen im Turnraum der Pusteblume gleich mit der Aufmerksamkeit bei sich und konnte beginnen.

"Mögt ihr Geschichten?", fragte sie. Und als die Zwerge mit "Ja!" antworteten, entgegnete sie: "Dann bin ich hier richtig." Susanne Tiggemann hatte verschiedene Koffer dabei, in denen sie kleine Andenken an jede Geschichte gesammelt hat, die ihr so "ins Ohr rutscht".

Sie kramte kurz in ihrem Koffer, zog eine Muschel heraus und begann mit der Erzählung von Masanendaba, die in Afrika lebte. Sie hatte vier Kinder, einen Mann, eine Ziege und Hühner. In ihrem Garten wuchsen viele Früchte und Gemüse.

Abends saßen sie am Lagerfeuer mit den anderen Einwohnern des Dorfes - und ihnen war langweilig. Das lag daran, dass sie keine Geschichten hatten. Und so zählten sie die Sterne, bis sie müde wurden. "Wir Menschen und meine Kinder brauchen Geschichten", sagte Masanendaba eines Tages und zog in die Welt, um welche zu finden. Sie fragte die Tiere, die ihr begegneten. Die Erzählerin motivierte die Kinder, die Tiere mit Klatschen und auf die Brust schlagen zu rufen.

Zum anderen zeigte sie ihr großes pantomimisches Talent, indem sie die Tiere nachmachte, über die sie sprach, darunter die Affenmutter Pavian, die sich das Fell kratze, den Hasen, der mit seinen Ohren und der lispelnden Stimme, den Löwen oder den Adler. Aber alle kannten keine Geschichten. Am Ende landete sie beim Delfin. Und der wusste, dass die Meergeister sich auf dem Grund des Ozeans seit vielen hundert Jahren Geschichten erzählen. Er nahm Masanendaba mit nach unten, wo sie den König der Meergeister traf. Im Tausch gegen ein Bild von der Welt der Menschen gab er ihr die Muschel, an der sie nur lauschen musste, um die Geschichten zu hören. Und diese Muschel hatte die Erzählerin im Koffer dabei.

"Wir haben zwei Ohren für zwei Geschichten", so Susanne Tiggemann. Sie holte das Entenküken Eduard aus einem Koffer und entwickelte mit den Kindern zusammen die Erzählung, wie Eduard in die große Stadt zum Zirkus geht und dort den Clown Fidibus kennenlernt. Dabei spielte sie sehr geschickt mit der Fingerpuppe Eduard und verlieh ihr Leben, sehr zur Freude der Knirpse. Die waren ganz bei der Sache, hörten zu und gaben viele Stichworte.

"Wir machen das zum wiederholten Mal", berichtete Kita-Leiterin Christiane Müller. 2016 fand das Erzählfest im Zelt beim Biergarten statt, dieses Mal in der Kita. Es gab noch eine zweite Runde, zu der die Hortkinder und die Ganztagskinder der Grundschule eingeladen waren.

Das siebte internationale Erzählfest, das eine Woche lang in der Metropolregion Rhein-Neckar stattfindet, hatte das Motto "Geschichten suchen ein Zuhause". Es möchte Menschen zusammenführen. Deshalb werden auch Erzählkünstler aus verschiedenen Ländern auftreten, die Migrationshintergrund oder Fluchterfahrung haben.

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