Biblis

Kabarett Jonas Greiner unterhält in der Bibliser Filminsel ein dezimiertes Publikum mit seinem Programm „In voller Länge“

Gesellschaftskritik launig verpackt

Archivartikel

Biblis.Mit gerade einmal 22 Jahren ist Jonas Greiner einer der jüngsten seiner Zunft. Am Mittwochabend gab der Kabarettist in der Bibliser Filminsel eine Kostprobe seines Könnens und stellte dort sein aktuelles Programm vor. „In voller Länge“ spielt darauf an, dass es sich bei Greiner vielleicht noch nicht um den Größten, zumindest aber um den Längsten seines Berufsstandes handelt. Mit 207 Zentimetern überragt er die meisten Zeitgenossen um Haupteslänge. Das treibt diese nicht selten zu einer Frage, die ihn am meisten nervt: „Spielst du eigentlich Basketball?“

Nein, das tut er nicht. Dafür parliert er aber gerne über die kleinen und großen Probleme des Hier und Jetzt, erzählt lustige Begebenheiten aus seinem Leben und spart überdies nicht mit Gesellschaftskritik.

Obwohl nicht wirklich thematisiert, hing das Virus mit dem großen „C“ auch über diesem Abend wie ein Damoklesschwert. Etwa ein Drittel derer, die im Vorfeld eine Eintrittskarte erwarben, erschienen nicht, was zu großen Lücken im Zuschauerraum führte. Wer nicht gekommen war, verpasste einen amüsanten Plauderer, der sich an den beherrschenden Fragen seiner Generation abarbeitete. „Was nützt mir dieses Abitur?“, oder „Was soll bloß aus mir werden?,“sind die Themen, die ihn beschäftigen und die auch bei dieser Gelegenheit keiner Klärung zugeführt werden konnten. Und was ist der Deutschen bester Schulabschluss denn im internationalen Vergleich wirklich wert, wenn 1950 noch 32 000 Schüler ihr Abi ablegten und es heute etwa 50 0000 jährlich sind? Wirkt es da beruhigend, wenn Studenten bei der einfachsten Kopfrechnung das Smartphone zücken, um die Taschenrechner-App zu bemühen?

Ein ursprünglich als Komödie gedachter Streifen wie „Fack ju Göhte“ könne inzwischen mit Fug und Recht als Dokumentarfilm durchgehen. „Das mit den Dichtern und Denkern ist jetzt 200 Jahre her, da muss mal wieder was kommen“, gibt sich Jonas Greiner nicht zufrieden damit, dass in hunderten von Jahren Menschen beim Rückblick auf 2020 wohl Protagonisten wie Pietro Lombardi als typischen Stellvertreter dieser Zeit ansehen müssen.

Das Vorurteil vieler älterer Menschen, wonach die jüngeren Jahrgänge unpolitisch seien, ärgert ihn besonders. Der darauf folgende Monolog, der die Erfahrungen Greiners an den Wahlkampfständen der verschiedenen Parteien dokumentieren soll, dürfte nicht allen Wählern gefallen haben.

Er bewies, dass sich zumindest der gebürtige Thüringer sehr mit dem aktuellen politischen Geschehen auseinandersetzt. Dazu gehört für Angehörige der Generation 2.0 natürlich auch die hierzulande verschlafene Digitalisierung: „Deutschland hat doppelt so viele Funklöcher wie Albanien, aber nur eine halb so große Downloadrate.“

Jonas Greiner macht auf der Bühne einen für sein Alter sehr ausgebufften Eindruck. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Kabarett- und Comedyfreunde der Republik in Zukunft noch mehr von ihm hören und sehen werden. Dann hoffentlich vor vollen Rängen.

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