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Historischer Brunnen in Nordheim beschädigt

Nordheim. „Es ist schockierend. Wir wollen unseren Besuchern die Schätze der Gegend zeigen, dann stellen wir solche Beschädigungen fest.“ Rüdiger Glaser vom Verein für Heimatgeschichte Nordheim ist erschüttert über die blanke Zerstörungswut am historischen Brunnen auf der Maulbeeraue in Nordheim. Das rund ein Meter große handgeschmiedete Schutzgitter sei „mit Brachialgewalt aus seinen Verankerungen gebrochen“ worden, erklärt der Vorsitzende Günter Mössinger.

Der Verein für Heimatgeschichte hat den Brunnen in den 90er Jahren aufwendig restaurieren lassen und mit dem Gitter versehen. „Wenn sich ein Kind zu weit vorbeugt, könnte es hinein fallen“, sagt Glaser. Diese Gefahr bestehe jetzt wieder, da das Gitter fehle. So einfach sei der Schaden nicht zu beseitigen. Der Nordheimer Schmiedemeister Georg Bickelhaupt habe es damals angefertigt, dieser sei inzwischen verstorben. Das Gitter sei verbogen und der Sandstein am Rand abgeplatzt.

Granitsteine meterweit geschleppt

Als Glaser Ende August eine Gruppe der Behindertenhilfe Bergstraße zur Maulbeeraue führte, hatte er den Schaden entdeckt: Das Gitter war herausgerissen worden und in den Brunnenschacht gefallen. „Der oder die Täter haben Granitsteine benutzt, die sie vom Rheinufer holen mussten - das ist 800 Meter weit weg“, wundert sich Rüdiger Glaser. Laut Mössinger kamen auch Schraubenschlüssel zur Anwendung, da die Gitterhalter abgeschraubt wurden. Für die engagierten Heimathistoriker ist das alles absolut unverständlich. „Wir verstehen den Grund oder Sinn gar nicht: Im Brunnen befinden sich keine historischen Funde oder Schätze“, sagt Glaser.

Den Schaden am Gitter und am Sandstein schätzt Glaser auf mehrere tausend Euro. „Es muss repariert werden, aber wer trägt die Kosten dafür?“ Immerhin hat sich die Raiffeisenbank Ried schon bereit erklärt, 1000 Euro für den Brunnen zu spenden. Aber auch der denkmalgeschützte Myriameterstein auf der Maulbeeraue wurde beschädigt: Am Sandstein ist eine Ecke abgeplatzt.

Mit Vandalismus kämpft der Verein für Heimatgeschichte schon länger. Das Plexiglas der Schautafeln sei bereits einige Male beschmiert oder beschädigt worden. Der Grad der jetzigen Schäden sei aber gravierender, bedauert Glaser. Zwar sei der mittelalterliche Brunnen der Burg Stein vor zwei Jahren ebenfalls schon einmal Ziel eines Angriffs gewesen. Das Brunnengitter habe damals gehalten, doch das mittelalterliche Mauerwerk der Anlage sei in Mitleidenschaft gezogen worden.

Wegen Sachbeschädigung hat der Verein inzwischen Anzeige erstattet bei der Polizei. Die Mitglieder hoffen nun auf Angaben von Zeugen, die zwischen dem 14. und 28. August etwas Verdächtiges auf der Maulbeeraue bemerkt haben. Hinweise nimmt die Polizei unter der Telefonnummer 06206/944 00 entgegen.

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