Biblis

Filminsel Kabarettist stellt am 20. März in Biblis sein Programm „Volksbegehren“ vor

Jürgen Becker sinniert über Sex und Erotik

Biblis.Warum haben die Menschen eigentlich Sex, um sich fortzupflanzen? Sie könnten es doch wie die Blattläuse machen. Wenn dem Lausmädele nach Vermehrung zumute ist, dann gebärt es bis zu zehn Töchter am Tag – ohne das Zutun eines Lausbuben. Das und noch viel mehr hat Kabarettist Jürgen Becker während seiner Recherche zu seinem aktuellen Programm „Volksbegehren“ herausgefunden.

Die Idee für eine Kulturgeschichte der Fortpflanzung kam Jürgen Becker, als er eine entsprechende Sendung auf Arte anschaute. Zwei Jahre lang arbeitete er an dem Thema und stellte dabei eine erotische Bildersammlung zusammen, die er seinem Publikum nicht vorenthalten möchte. „Also zum Beispiel Gemälde von Rubens. Die sind jugendfrei,“ sagt Jürgen Becker im Gespräch mit unserer Zeitung.

Gleitzeit im Internet

Nachdem der Karneval hinter ihm liegt – „da habe ich frei gemacht und gefeiert“ – ist der gebürtige Kölner wieder bereit für den Einsatz auf der Bühne. Am Mittwoch, 20. März, tritt er in der Bibliser Filminsel auf und lässt das Publikum teilhaben an seinen Erkenntnissen über Sex und Erotik.

Sehr erstaunt hat es Becker, wie viele Internetseiten mit pornografischem Inhalt sich die Menschheit so anschaut. Und vor allem, zu welcher Tageszeit besonders viele Besucher auf diesen Seiten unterwegs sind: „Zwischen 9 und 17 Uhr, da bekommt der Begriff Gleitzeit doch eine ganz andere Bedeutung“, stellt Becker mit Blick auf die üblichen Bürozeiten fest.

Ist sein „Volksbegehren“ gar unpolitisch? „Keinesfalls“, widerspricht Becker und verweist auf die „Me too“-Debatte. „Da kommt das Tierische in uns durch, und das beschämt uns.“ Dann ist da noch die katholische Kirche und der Missbrauchsskandal. „Die bekommt die Triebe nicht in den Griff“, sagt Becker.

Von jeglicher Erotik befreit sei dagegen ein Wahlplakat der Heppenheimer CDU. Auch dieses hat Becker in seine Sammlung aufgenommen und ist schon auf die Reaktion des Bibliser Publikums gespannt. „Also bei meinem Auftritt in Lorsch wussten die Leute, wer darauf zu sehen ist.“

Wie das Thema Sexualität in die Politik hineinspielt, zeigten Äußerungen der CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer. „Da kommt die Homophobie wieder hoch“, stellt Jürgen Becker fest. Und dass der Papst von Homosexualität als Modeerscheinung spricht, findet er unmöglich. „Das ist einfach grober Unfug. Und es ist ein Fehler, dass mächtige Menschen so einen Mist verzapfen.“

Es gebe 1500 Arten auf der Welt, bei denen Homosexualität vorkomme. „Bei Pinguinen, Affen und Geistlichen“, sagt Becker. „Und das hat nichts mit Erziehung zu tun, das ist von der Natur so gedacht.“ Und zwar schon seit sehr, sehr langer Zeit – sozusagen seit Millionen von Jahren.

Verwirrte Bakterien

Gelernt hat Becker bei seinen Nachforschungen zum Thema Fortpflanzung noch etwas: Und zwar die Sache mit den multiresistenten Keimen. „Die schaffen es, das menschliche Immunsystem zu überwinden.“ Deshalb besser nicht den Blattläusen nacheifern. Bei 99 Prozent der Tierarten habe sich der Austausch der Körperflüssigkeiten zur Fortpflanzung durchgesetzt. So hält es auch der Mensch. Aus zwei verschiedenen Individuen entsteht ein komplett neues. „Und bei dem blicken die Bakterien dann nicht mehr durch. Da passt deren Schlüssel fürs Immunsystem nicht mehr.“

Wie Musik helfen kann

Becker verdeutlicht diese biologischen Vorgänge mit einem Beispiel aus dem praktischen Leben. „Das ist ein bisschen so, wie wenn die Rocker in der Kneipe ihre Deckel nicht bezahlen. Dann spielt der Wirt mal Musik von Florian Silbereisen, schon bleiben die Rocker weg.“ Weitere interessante Details gibt’s am 20. März in der Filminsel.

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