Biblis

Prävention Judotrainerin Bettina Müller unterrichtet Vor- und Grundschüler in Selbstbehauptung / Kurse bei der TG Biblis

„Kinder haben immer das Recht, Nein zu sagen“

Archivartikel

Biblis.„Mich hat schon mal ein Fremder aus dem Auto angesprochen und wollte mich heimfahren“, erzählt ein Grundschüler. „Ich habe Nein gesagt“, berichtet er weiter. Genau für solche Situationen möchte Bettina Müller in Kooperation mit der Turngemeine (TG) Biblis Jungen und Mädchen stark machen.

Bettina Müller will Kindern beibringen, dass sie immer das Recht haben, Nein zu sagen. Zum Beispiel in ganz alltäglichen, scheinbar harmlosen Situationen: Etwa wenn sie jemand kitzeln will, sie das aber nicht wollen.

Gleich zwei Kurse zur Selbstbehauptung von Vorschulkindern und Grundschülern fanden in der Jahnhalle der TG statt. Das Projekt wurde vor zwei Jahren initiiert, als in Biblis vermehrt Kinder angesprochen worden seien, berichten die Organisatoren. Damals reagierte Bettina Müller spontan und organisierte mit Hilfe von anderen Institutionen und Vereinen einen Selbstbehauptungskurs. Dieser fand im vergangenen Jahr statt und aufgrund der großen Nachfrage auch 2019.

Bettina Müller ist nicht nur Judotrainerin mit zwei schwarzen Gürteln, sondern auch in den Bereichen Prävention und Selbstbehauptung ausgebildet. „Mir geht es darum, Kinder stark zu machen, euch stark zu machen“, rief sie den Jungen und Mädchen zu. Zuerst schaute sie sich mit den Kindern das Buch „Mein Körper gehört mir“ an. Dort erlebten die Teilnehmer anhand von Geschichten über das Mädchen Clara verschiedene Alltagssituationen nach. In allen Situationen geht es um Berührungen, mal gewollt, mal unangenehm. Freunde, die sich in den Arm nehmen, Clara, die mit ihrem Papa kuschelt, die von ihrem Bruder gekitzelt wird.

„Das ist alles in Ordnung, wenn alle Beteiligten das wollen“, betonte Müller. Doch dann kommen Bilder, auf denen Clara von der lieben Tante abgeküsst, von einem Mitschüler gekitzelt wird – und das Mädchen sieht nicht glücklich aus dabei. „Clara will das nicht, fühlt sich nicht wohl. Was soll sie machen?“, fragte die Kursleiterin die Kinder. „Sagen, dass sie aufhören sollen“, meinte ein Mädchen. „Ihr dürft immer Nein sagen, wenn Euch etwas nicht gefällt“, bekräftigte sie.

„Süße Welpen im Auto“

Auf die Frage, wer schon von Fremden angesprochen wurde, meldete sich nur ein Kind, aber alle anderen wussten über solche gefährlichen Situationen Bescheid. „Die sagen, sie haben einen süßen Welpen im Auto, ob ich ihn sehen will“, wusste ein Kind. Ein anderes: „Sie sagen, meine Mama hatte einen Unfall, und sie fahren mich hin.“ Müller gab den Eltern den Rat, mit ihren Nachwuchs ein Codewort auszumachen. „Wenn einer kommt und sagt, Deine Mama hat einen Unfall und Du sollst mit ihm kommen, dann fragst du nach dem Codewort. Weiß er es nicht, dann stimmt was nicht, dann renn weg“, sagte Bettina Müller.

Ebenso sollten Kinder und Eltern darauf achten, dass auf Schulranzen, Jacken oder Sportbeuteln keine Namen oder Adressen zu sehen sind. „Kinder denken, der spricht mich mit meinem Namen an, den weiß er von meinen Eltern. Und schon schätzen sie das nicht mehr als gefährlich ein“, erläuterte Müller.

Dann ging es an praktische Übungen. Im Kreis sollten die Teilnehmer einem jeweils anderen ein „Stopp“ zurufen. Viele waren dabei recht leise und zeigten wenig Nachdruck. Dann übten sie, sich laut und bestimmt mit der Stimme zu wehren, Aufmerksamkeit auf sich lenken und Helfer zu mobilisieren. Im Spiel übten die Kinder, sich lautes Schreien zu trauen.

Außerdem zeigte die Trainerin, wie Kinder sich aus Haltegriffen befreien und wie sie sich in bestimmten Situationen gegen Angreifer behaupten können. „Üben Sie das bitte zu Hause mit ihren Kindern“, forderte Bettina Müller die Eltern auf.

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