Biblis

Volkstrauertag Bibliser Bürgermeister verurteilt alltägliche Respektlosigkeiten und Diskriminierungen

Kusicka: Misstrauen wird gezielt geschürt

Archivartikel

Biblis.Frieden, Freiheit, Menschenrechte und Versöhnung sind die höchsten Anliegen, die aus dem Gedenken am Volkstrauertag hervorwachsen: Das sagte Bürgermeister Felix Kusicka am Volkstrauertag. Erinnern, Trauern, Innehalten und Verantwortung übernehmen – dies alles gehört für ihn dazu, die Zukunft gemeinsam und respektvoll zu gestalten. Trotz des Regenwetters kamen viele Bürger am Mahnmal am Alten Friedhof in Biblis zusammen.

Kusicka gestaltete die Gedenkfeier mit dem katholischen Pfarrer Ludger M. Reichert und dem evangelischen Pfarrer Arne Polzer. Für den musikalischen Rahmen sorgten der MGV Liederkranz sowie Pierre-Olivier Denise an der Trompete. Der Bürgermeister betonte, dass nicht nur der unzähligen Opfer von Krieg und Gewalt in der Vergangenheit gedacht werden müsse, sondern auch der Opfer in der heutigen Zeit. Die Welt sei nicht friedlicher geworden. Täglich gebe es Meldungen von Angriffen, Kämpfen und Vergehen gegen die Menschlichkeit.

„Frieden erlangt man nicht über Waffengewalt, sondern über Worte, um festgefahrene Positionen zu überdenken und die Bereitschaft, Kompromisse zu fördern“, meinte Kusicka. Dabei seien alle gefragt. Auf dem Papier würden Menschenrechte wie Unversehrtheit, Humanität oder Mitmenschlichkeit groß geschrieben, aber nicht in Wirklichkeit gelebt. „Stattdessen herrscht oftmals Ächtung statt Achtung zwischen Staaten und Menschen.“

Der Volkstrauertag als Tag der Erinnerung und der Mahnung, in Reaktion auf die beiden Weltkriege und deren Gewaltakte, habe noch immer Daseinsberechtigung. Selbst wenn sich Deutschland in einer langen Friedensphase befindet. „Unser Beitrag ist das Erinnern an die schrecklichen Wirkungen von Krieg, seine Zerstörung, seine Sinnlosigkeit und Unmenschlichkeit“, betonte Kusicka. Die Vergangenheit dürfe nicht vergessen werden, damit es zu keiner Wiederholung komme.

Die Gefahr sei heute realer als je zuvor, gefühlt im ganzen Land und auch in Biblis, betonte Kusicka. Respektlosigkeit, Diskreditierung und Diskriminierung stünden in den Sozialen Medien und im Alltag auf der Tagesordnung. „Politische Akteure, nicht nur in der ‚großen Politik‘, setzen gezielt Mittel ein, um Misstrauen zu schüren, Vertrauen zu zerstören und Feindbilder aufzubauen“, sagte Kusicka und mahnte: „Nicht mit dem ersten Schuss begann der Krieg, er wurde lange vorher durch das Wort begonnen!“

Pfarrer Ludger M. Reichert zitierte aus der zentralen Gedenkfeier zum Volkstrauertag 1952: „Wir denken heute an die Opfer von Gewalt und Krieg, an Kinder, Frauen und Männer aller Völker.“ Er zitierte Papst Franziskus: „Gute Politik stellt sich in den Dienst des Friedens.“ Das Wort Frieden bedeutete einst „sich versöhnen“ oder „nahe beisammen sein, sich wie Familienmitglieder behandeln“. Reichert fasste im Sinne des Volkstrauertags zusammen: „Freiheit, sich Freunde suchen, die miteinander den Weg des Friedens gehen.“ Gemeinsam mit Pfarrer Arne Polzer beteten die Anwesenden für Opfer und Hinterbliebene sowie für die Hoffnung auf Frieden. str

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