Biblis

DLRG Lebensretter berichten von tödlichen Unfällen im vergangenen Jahr und weisen auf starke Strömung hin

Landrat warnt vor Baden im Rhein: „Das ist saugefährlich“

Archivartikel

Nordheim.Die Sonne glitzert über dem Rhein. Vogelgezwitscher liegt in der Luft. Bis dicht ans Ufer stehende Bäume spenden ausreichend Schatten. Neben zeltenden Urlaubern sind es Spaziergänger, Radfahrer, Angler und Schwimmer, die die Ufer des Rheins bevölkern. Was auf den ersten Blick wie ein idyllisches Naherholungsgebiet aussieht, birgt einiges an Gefahren. Besonders Schwimmer begeben sich nicht selten in Todesgefahr.

Um auf die Gefahren hinzuweisen, hatte Landrat Christian Engelhardt zu einem Pressetermin an die Nato-Rampe gebeten. Etwa 400 Meter von der Gaststätte „Zur Rheinfähre“ entfernt und auf der Nordheimer Rheinseite gelegen, waren die DLRG-Ortsvereine aus Heppenheim, Lampertheim und Biblis mit ihren Mehrzweckbooten gekommen. „Wir hatten vergangenes Jahr fast jedes Wochenende einen Einsatz“, erläuterte Peter Jäger, DLRG-Einsatzleiter aus Heppenheim.

So kamen im Einsatzbereich der DLRG Bergstraße – einem etwa 25 Kilometer langen Rheinabschnitt – im vergangenen Jahr sechs Menschen ums Leben. Darunter zwei Mädchen (wir berichteten). Die Badeunfälle ereigneten sich an fast der gleichen Stelle in Höhe der Nato-Rampe und in der Nähe von Rhein-Dürkheim. Bei einer Streifenfahrt, an der auch Kreisbrandinspektor Steffen Lutter teilnahm, wiesen Peter Jäger und sein Stellvertreter Thomas Resch auf Gefahren hin, die besonders von Buhnen ausgehen.

Schräg in den Fluss gebaut, dienen diese dazu, die Wellen zu brechen und Strömungen vom Ufer fernzuhalten oder umzuleiten. Nicht nur an deren „Köpfen“ entstehen unberechenbare Strömungen. Auch Strudel und deren Unterströmung können Schwimmer in die Tiefe ziehen.

Wellengang durch Schiffe

Zudem macht von großen Schiffen ausgelöster Wellengang das Baden im Rhein gefährlich. „Letztens habe ich einen Vater mit einem Baby auf dem Arm dort stehen sehen“, erzählte Jäger. Doch wie so oft, wurde sein Gefahrenhinweis „belächelt“. „Es herrscht zu viel Unwissenheit“, glaubt Jäger. Zudem würden immer mehr Schwimmbäder ihre Pforten schließen oder seien frühzeitig überfüllt. Auch, dass immer weniger Kinder schwimmen könnten, verschärfe die Situation.

Um die Wasserrettung des Kreises sicherzustellen, sind etwa 60 Ehrenamtliche tätig. In enger Zusammenarbeit mit den Feuerwehren und dem DRK arbeiten sie seit 30 Jahren eng zusammen. Die Vereinsmitglieder sind als Bootsführer, Taucher und Strömungsretter im Einsatz. Alle Ortsvereine legen Wert auf eine gute Jugendarbeit.

So waren beim Pressetermin auch Bootsführer Daniel Herb mit Isabell Leuschner und Selina Schmidt mit auf Patrouillenfahrt. Die jungen Lampertheimer, die ehrenamtlich als Retter in den Biedensandbädern im Einsatz sind, treffen sich wöchentlich zum Training und erhalten von erfahrenen Einsatzkräften immer wieder wertvolle Hinweise.

Sie schüttelten nur verständnislos den Kopf über zwei Rheinbesucher, die auf rheinland-pfälzischer Seite ein offenes Feuer unter Bäumen gemacht hatten. Im Falle eines Brandes wäre ihnen nur die Flucht in den Rhein und den damit verbunden Gefahren geblieben. Landrat Christian Engelhardt brachte es auf den Punkt: „Das Baden im Rhein ist saugefährlich!“

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