Biblis

Bibliser Geschichten Viel Wirbel um Planungen für den Bahnübergang in Biblis, der in den 1970er Jahren unter Bürgermeister Seib gebaut wird

Landwirte protestieren gegen den „Josefsbuckel“

Archivartikel

Biblis.Nicht nur in alten Zeiten bekamen Bauwerke einen speziellen Namen. Als in den 1970er Jahren die Bundesbahn die straßengleichen Bahnübergänge nach und nach beseitigen wollte, kam dies der Gemeinde Biblis sehr gelegen.

Mit dem zunehmenden Verkehr gab es immer längere Stauungen vor den geschlossenen Bahnübergängen, wie dem in der Wattenheimer Straße. Die Neubaugebiete hinter der Bahn gab es damals noch nicht. Die evangelischen Pfarrer hatten sonntags sowohl in Biblis als auch anschließend in Nordheim Gottesdienste zu halten. Nicht selten kam es vor, dass die Gemeindemitglieder längst in der Kirche warteten und der Pfarrer nicht kam. Dann hieß es: „Die Schrank‘ war wieder zu“.

Es war allerdings nicht nur ein Brückenbauwerk über die breiten Gleise des Bibliser Eisenbahnbereichs notwendig, sondern auch die anschließenden Auffahrtsrampen. Bald gab es im Gemeinderat unterschiedliche Vorstellungen, wo und wie der Bahnübergang gebaut werden sollte. Der damalige CDU-Bürgermeister Josef Seib war ein resoluter Mann. Die Opposition hatte bei ihm keinen leichten Stand. So hat er seine Vorstellung vom heutigen Bahnübergang durchgesetzt.

Hauptkritikpunkt waren die steilen Auffahrtsrampen, die für die damaligen landwirtschaftlichen Fahrzeuge mit beladenen Anhängern kaum zu befahren waren. Noch bei der Einweihung des Brückenbauwerks gab es Proteste der Landwirte, die mit ihren aus heutiger Sicht kleinen Schleppern und zwei schwer beladenen Anhängern allen Leuten zeigten, wie schwierig es für sie war, mit den Fahrzeugen hochzukommen. Es hätte auch anders gebaut werden können, aber der damalige Bürgermeister wollte auf die Einnahmen durch den Verkauf der Bauplätze im Bereich der heutigen Berliner Straße nicht verzichten.

„Der Name ‚Josefsbuckel‘ entstand damals wahrscheinlich bei der Fastnacht der Turngemeinde. Jedenfalls war er bald in aller Munde“, erklärt Heimatforscher Günter Mössinger, Vorsitzender des Vereins für Heimatgeschichte. Heute stellt der „Josefsbuckel“ kein Problem mehr für die wesentlichen stärkeren Zugmaschinen der Landwirte dar. Aber besonders bei Eis und Schnee ist die Bewältigung des Brückenbauwerks über die Gleise noch immer eine Herausforderung für die Autofahrer.

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