Biblis

Fußball Patrick Wagner, Kapitän des FV Biblis, spricht sich für einen Saisonabbruch aus

„Muss niemanden für mein Hobby gefährden“

Archivartikel

Biblis.Wie stehen Amateurfußballer zum Trainingsneustart und zum möglichen Saisonabbruch? Darüber haben wir mit Patrick Wagner gesprochen. Der Kapitän des FV Biblis, der mit seinem Team in der A-Liga auf Platz drei steht, würde im Zweifelsfall auf die Aufstiegschance verzichten. „Das ist die Sache nicht wert“, meint er.

Herr Wagner, es soll ja Menschen geben, die den Fußball nicht so vermissen . . .

Patrick Wagner: Generell vermisse ich ihn schon, allein das Zusammensitzen mit der Mannschaft. Manche sind vielleicht froh, eine Pause zu haben, aber sonst verstehe ich es nicht, wenn man den Sport doch liebt.

Muss man zwischen Fußballschauen und Fußballspielen unterscheiden?

Wagner: Wahrscheinlich. Mehr als die Bundesliga fehlt mir der Fußball, den ich selbst spiele. Ich verbringe gerne Zeit mit meinen Jungs und nutze das als Ausgleich zur Arbeit. Auf dem Platz zu stehen, die Stimmung, meine Gegenspieler – das alles fehlt mir schon gerade.

Als Kapitän, der auch gerne im 1b-Team aushilft, stehen Sie in Biblis mit allen Aktiven in Kontakt. Wie ist die Lage?

Wagner: Wir hatten vor kurzem eine Kabinenfest-Challenge. Ziel war, dass wir weiterhin Kontakt haben und die Gemeinschaft nicht verloren geht. Wir haben aber auch so die ganze Zeit geschrieben. Man merkt: Jeder hat wieder Bock zu kicken, aber jeder kann es verstehen, wenn der Trainer (Thomas Roth, Anmerkung der Redaktion) sagt, dass er noch eine oder zwei Wochen abwarten will.

Fallen die Tipps des Hessischen Fußball-Verbands in die Kategorie „gut gemeint“? Fußballtraining ohne Zweikämpfe, Einwürfe und Kopfbälle ist ja kaum möglich.

Wagner: Ich habe mir das Schreiben komplett durchgelesen. Sachen wie Händewaschen sind da noch das kleinste Problem. Sein eigenes Leibchen kann auch jeder mit nach Hause nehmen. Aber wenn der Trainer alles mehrfach desinfizieren muss, nur in kleinen Gruppen arbeiten und Checklisten mit allen Symptomen der Spieler führen soll, wird es schon schwieriger.

Also wird der Trainingsbetrieb in Biblis weiter ruhen?

Wagner: Diese Woche wird wohl nichts stattfinden, nächste Woche sehr wahrscheinlich auch nicht. Am 16. Mai wird man sehen, wie der Verband sich entscheidet und wie die Lage ist. Mit den ganzen Auflagen will uns der Trainer kein Training zumuten. Anders herum wollen wir es dem Trainer nicht zumuten, dass er sich alleine um alles kümmern soll.

Den FV Biblis würde ein Abbruch mitten im Aufstiegskampf treffen.

Wagner: Wir spielen eine super Saison, sind nur einen Punkt hinter dem Ersten und Zweiten. Aber wenn es weiter eine Gefährdung gibt, bin ich auf jeden Fall für den Abbruch. Ich muss niemanden in meiner Familie oder meinem Umfeld für ein Hobby gefährden – auch wenn mir das Hobby sehr am Herzen liegt. Ich habe mich die ganze Zeit an die Regeln gehalten und bin kein unnötiges Risiko eingegangen. Ich glaube, auch der Großteil unserer Mannschaft hat das Herz am rechten Fleck. „Scheiß drauf“ sagt da keiner. Ich habe aber auch Freunde in anderen Mannschaften, die die Sache nicht so ernst nehmen.

Das könnte ein sehr langer Sommer werden. Wie verbringen Sie Ihre Zeit?

Wagner: Ich habe fünf Wochen lang Überstunden abgebaut und hatte eine Woche Kurzarbeit. Im Moment bin ich zu Hause am Renovieren. Außerdem habe ich meine Nichte bei mir. Was den Fußball angeht: Abschlussfahrt, Vatertag – alles, was man sonst mit seinen Jungs unternommen hätte, fällt ins Wasser. Aber irgendwann kann man es nachholen. Dann ist es wahrscheinlich umso besser. Vielleicht findet sich ja die Zeit für Freizeitturniere, die den Vereinen zusätzliche Einnahmen bringen. Zuschauer würden sicher genug kommen.

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