Biblis

Informationsforum Experten stellen Bedingungen für Freigabeverfahren dar

„Restrisiko von null gibt es nicht“

Biblis.Rund 30 Vertreter der Kommunalpolitik der Gemeinde Biblis und interessierte Bürger hat Bürgermeister Felix Kusicka zum elften „Informationsforum Rückbau Biblis“ im großen Saal des Bürgerzentrums begrüßt. Zudem waren zahlreiche Politiker des hessischen Landtags, des Kreises Bergstraße, Mitarbeiter der zuständigen Ministerien des Landes und Vertreter gesellschaftlicher Verbände und Naturschutzgruppen vor Ort. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen zwei Referate zum aktuellen Themenschwerpunkt: „Parameter der einzelnen Schritte der Freigabeverfahren beim Rückbau“.

Michael Baschnagel, Leiter der Abteilung Strahlen- und Umweltschutz bei RWE, und Christian Küppers vom Öko-Institut in Darmstadt erläuterten die Regulierung und deren rechtlichen Voraussetzungen sowie die einzelnen Schritte der Freigabeverfahren. Baschnagel beschrieb mit Hilfe strukturierter Informationsfolien die drei möglichen Entsorgungspfade und erläuterte in einzelnen Schritten die jeweiligen davon betroffenen Freigabemengen und die Bedingungen gemäß der Strahlenschutzverordnung.

18 Tonnen pro Tag ins Lager

Baschnagel stellte die unterschiedlichen Messverfahren zur Freigabemessung dar, bis hin zur Übergabe des dekontaminierten Materials an entsprechende Verwerter und Entsorger. Insgesamt geht es zunächst um 63 000 Tonnen Material, von denen aktuell 18 Tonnen pro Tag – nach der entsprechenden Freigabe – ins Zwischenlager abwandern. Das entspricht 60 Gitterboxen von je 300 Kilogramm auf jeweils einer Europalette in der Größe von 120 mal 80 Zentimetern.

Im Anschluss beantwortete Michael Baschnagel die Fragen aus dem Publikum zu den einzelnen Freigabeverfahren, zu den dazu gehörenden Beprobungen und ihren Messparametern und ging auf die Frage eines eventuell bestehenden Restrisikos radioaktiver Belastung ein.

„Absolute Grenzwerte für Restbelastung sind nicht einfach festzulegen. Ein Restrisiko von null gibt es nicht. Das ist aber kein Problem der Kerntechnik“, stellte Christian Küppers vom Darmstädter Öko-Institut in diesem Zusammenhang fest. Das Mitglied der Strahlenschutzkommission erläuterte ebenfalls sehr ausführlich die rechtlichen Voraussetzungen der Regulierung und damit die einzelnen Schritte der Freigabeverfahren. Zur Frage eines zumutbaren Belastungsrisikos durch einen Rückbau für den einzelnen Bürger erklärte er in möglichst einfachen Sätzen das sogenannte „de minimus-Konzept“ bezüglich der Freigabewerte und damit die Frage, unter welchen Bedingungen eine „Entlassung aus dem Atomrecht“ erfolgen kann.

Maximal zehn Mikrosievert

„Dieses Konzept stellt ein international anerkanntes und einzuhaltendes Kriterium für die Freigabe dar, das auch in Deutschland gilt“, sagte Küppers. Es beinhalte die Begrenzung auf die Einhaltung einer Restbelastung eines Menschen pro Jahr als Höchstdosis – ein Bereich von zehn Mikrosievert. „Die Wahrscheinlichkeit, eine Dosis in der Höhe dieses Grenzwertes zu erhalten, ist jedoch sehr gering, um nicht zu sagen minimal.“ Zum Vergleich dazu führte er aus, dass jeder Mensch einer natürlichen Strahlenbelastung von durchschnittlich 2100 Mikrosievert pro Jahr ausgesetzt sei.

Küppers betonte – wie Michael Baschnagel zuvor –, dass sämtliche Freigabeprozesse beim Rückbau ständiger, intensiver Kontrollen durch die Behörden unterlägen und durch deren unabhängiger Gutachter begleitet würden.

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