Biblis

Bibliser Geschichten Neudeichloch in Wattenheim inzwischen beliebter Treffpunkt für Angler / Jahrhundertelanger Kampf gegen das Hochwasser

Rheinfluten hinterlassen eine tiefe Senke

Archivartikel

Wattenheim/Nordheim.Die Bewohner des südhessischen Rieds haben seit jeher den Kampf gegen die Hochwasserfluten des Rheins aufgenommen – zunächst mit Bauten aus Reisig oder Rutenbündeln. Später sollten immer bessere Deiche oder Dämme das Ausbrechen des Flusses verhindern.

In der Bevölkerung hieß es immer Damm, die Bezeichnung Deich kam aus den „Herrschaftlichen Bauämtern“. Es war ein schwieriger Kampf gegen das Hochwasser. Besonders in der Zeit nach 1700 gab es einen regelrechten Wettlauf bei den Deicherhöhungsmaßnahmen. Wenn am Rheinoberlauf aufgerüstet wurde, traf es die weiter flussabwärts gelegenen Gemeinden mit doppelter Härte. Deren niedrigere Dämme wurden nun überschwemmt. Die souveränen Rheinanliegerfürsten hatten unterschiedliche Zuständigkeiten, was die Sache noch erschwerte. In den 1780er Jahren ließ der Bischof von Worms als Landesherr von Biblis-Nordheim einen neuen Deich vom Steiner Wald bis nach Wattenheim errichten. Damit sollten die Fluten aus dem Delta der Weschnitzmündung abgewehrt werden, die an dieser Stelle in den Rhein fließt.

Alle Nordheimer Landwirte waren aufgerufen, sich daran zu beteiligen. Jeweils im Spätherbst und Winter, wenn die eigentliche Arbeit auf den Feldern ruhte, konnten sie einige Meter Deichlänge errichten. Die Bauern hatten dadurch einen guten Nebenerwerb. Aber die Arbeiten verzögerten sich unter anderem wegen der hohen Rheinwasserstände. In den Jahren 1784, 1798, 1817 und 1819 brachten sie den Bau immer wieder zum Erliegen, und es mussten Reparaturarbeiten an bereits erstellten Abschnitten ausgeführt werden.

Bei dem Hochwasser 1819 soll das Neudeichloch entstanden sein. Es ist ein sogenannter Kolk, den die Rheinfluten beim Überlaufen über den Damm ausspülten, bevor dieser ganz durchbrach. Solche wassergefüllten Kolke waren sehr tief. Bei den Dammreparaturen nach den Hochwasserfluten änderte man oft den Deichverlauf und umging diese Gewässer in größerem Bogen. Genauso hat man es beim Neudeichloch gemacht, das dadurch Wattenheim zugerechnet wurde.

Das Neudeichloch regte schon bald die Fantasie der Einwohner an. Schnell wurde behauptet, es wäre so tief, dass darin die Simultankirche aus Nordheim samt Turm versinken könnte. In den 1970er Jahren nahm sich der Nordheimer Angelsportverein Rheinmöve des Neudeichlochs an. Die Angler errichteten dort eine Vereinsgaststätte, in der sie Fischspezialitäten anboten. Heutzutage ist besonders das Zanderessen an verschiedenen Feiertagen wie Karfreitag sehr beliebt. Wobei es die letzten Monate ausfallen musste, weil die Angler wegen der zurzeit laufenden Deichsanierung das bisherige Vereinsheim abreißen mussten. Der Ersatz soll in Eigenarbeit entstehen.

An den Öffnungstagen hat es jahrelang viele Mitglieder und andere Gäste an den kleinen Weiher gezogen. In geselliger Runde wurde regelmäßig über die Tiefe des Neudeichlochs spekuliert. Erzählungen nach nahm ein inzwischen verstorbener Nordheimer seinen ganzen Mut zusammen und tauchte mehrmals bis auf den Grund des Neudeichlochs. Dabei habe es sich herausgestellt, dass der Grund längst nicht so tief ist, wie bislang angenommen. Die Simultankirche würde also keinesfalls hineinpassen.

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