Biblis

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RWE will Gaskraftwerk bauen

Biblis.RWE Generation will in Biblis auf dem Parkplatzgelände für Fremdfirmen gegenüber dem Infozentrum ein Gasturbinenkraftwerk bauen. Das Gelände befindet sich außerhalb der umzäunten Kraftwerksanlagen. Darüber hat Projektleiter Wolfgang Schlagbaum am Dienstagabend vor etwa zehn Interessierten im Bibliser Rathaus berichtet. Das Werk soll 300 Megawatt leisten. Es handelt sich um eine sogenannte Netzstabilitätsanlage. Um die Energiewende abzusichern, sollen deutschlandweit 1,2 Gigawatt an Netzstabilität bereitgestellt werden. Energieversorger aus Südhessen, Baden-Württemberg und Bayern haben die Anlage ausgeschrieben. Sie soll kurzfristig einspringen, wenn die Stromversorgung etwa wegen Störungen in Anlagen für alternative Energien nicht gewährleistet ist.

Die Ausschreibungsfrist ist noch nicht beendet - ob RWE für Biblis den Zuschlag bekommt, ist also noch offen. RWE geht jedoch jetzt schon in die Öffentlichkeit, weil die Anlage bereits Ende 2022 betriebsbereit sein soll. Man wolle die Verfahrensschritte, wozu die Beteiligung der Öffentlichkeit gehört, deshalb so schnell wie möglich abarbeiten.

Der Parkplatz ist rund 2,8 Hektar (1 Hektar = 10.000 Quadratmeter) groß. Zum Vergleich: Das gesamte eingezäunte Kraftwerksgelände umfasst 40 Hektar. Höchstes Bauteil würde mit 30 Metern der Kamin werden. Die Kühltürme des Kraftwerks sind 80 Meter hoch. Um die 300 Megawatt Leistung einordnen zu können: Die Blöcke des Atomkraftwerks haben unter Volllast zusammen 2.500 Megawatt geleistet. Damit konnten sechs Millionen Haushalte versorgt werden.

Das Gaskraftwerk am Standort Biblis zu bauen, biete sich an, weil der Anschluss ans Stromnetz vorhanden sei und in unmittelbarer Nähe eine Gastransportleitung liege, die das Werk versorgen könne, erklärten RWE-Sprecher am Dienstagabend. Stephan Berrisch skizzierte das aufwendige Genehmigungsverfahren, das in Gang kommt, wenn RWE den Zuschlag erhält. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung soll die Auswirkungen des Kraftwerks auf Mensch und Tier, auf Boden, Klima und Luft sowie Wasser darstellen. In der Nähe befindet sich ein Vogelschutzgebiet. Laut Berrisch werde der sichere Betrieb des Standortzwischenlagers für radioaktive Abfälle und Castoren sowie der Rückbau des inzwischen brennstofffreien Kernkraftwerks nicht gefährdet.

RWE Generation ist die Unternehmenssparte für Gas-, Kohle- und Windkraft sowie Biomasse. Betreiber der Anlage ist nicht RWE Power, der Betreiber des Atomkraftwerks. Das Unternehmen würde rund 100 Millionen Euro investieren. Es würden fünf feste Arbeitsplätze entstehen. Über den erwarteten Profit machte RWE keine Angaben. Das Unternehmen werde nicht für die Lieferung von Strom, sondern für die Bereitstellung der Anlage bezahlt, sagte ein Sprecher. Öffentliche Fördermittel seien nicht vorgesehen.

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