Biblis

Volkstrauertag I In Biblis hält Pfarrer Arne Polzer eine eindringliche Rede

Schutz der Schwachen als Pflicht

Archivartikel

Biblis."Erinnern, mahnen, nicht vergessen" lauteten die Leitbegriffe, die Bürgermeister Felix Kusicka sowie Pfarrer Arne Polzer bei ihrer Rede zum Volkstrauertag in Biblis betonten. Gemeinsam mit Bürgern, mit Vereinsvertretern und Politikern gedachte Biblis an den Mahnmalen der beiden Weltkriege auf dem Alten Friedhof der Opfer der Gewaltherrschaft.

Felix Kusicka sprach von Wegen hin zum Frieden, die aber nicht durch Waffengewalt geebnet werden könnten. "Stattdessen mit Worten, mit Kompromissen", meinte er. Dazu gehöre Toleranz, gegenseitige Achtung, Mitmenschlichkeit und Respekt - und zwar auf allen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens. "Nur wenn wir die Erinnerungen wachhalten und vor Augen führen, ist Frieden möglich", sagte Kusicka. Dazu gehöre auch, Schuld einzugestehen und Verantwortung zu übernehmen sowie die Opfer nicht zu vergessen. "Nur so konnten aus früheren Gegnern gute Nachtbarn und gar Freunde werden."

"Gedenke der vorigen Zeiten"

Pfarrer Arne Polzer führte eine Stelle aus dem Alten Testament an: "Gedenke der vorigen Zeiten und hab acht auf die Jahre von Geschlecht zu Geschlecht. Frage deinen Vater, der wird dir's verkünden, deine Ältesten, die werden dir's sagen." Früher, da wurde den Menschen alles durch das Erzählen der Älteren und Erfahrenen vermittelt und weitergegeben. Sei es Handwerkskunst, Traditionen, Familienzusammenhänge oder Anschauungen. "Wie erfahren Kinder heute, wer sie sind, woher sie kommen?" Laut Polzer wird Wissen vor allem durch Bildungseinrichtungen vermittelt und kaum noch über persönliches Erzählen oder eigene Erfahrungen. So gehe das Gedächtnis der Generationen nach und nach verloren: gemeinschaftliches Wissen, Erfahrungen, Werte, Traditionen und auch Mahnungen.

"In Japan stehen an der Küste unzählige alte Denkmäler, sie warnen davor, nicht so nahe am Wasser zu bauen - aus jahrzehntelanger Erfahrung", sagte Polzer. Doch die Denkmäler würden vergessen oder missachtet. Es werde trotzdem gebaut, zu nahe an der Küste. "Die Resultate kennen wir", meinte der Pfarrer. Er fragte sich: "Wird das so auch mit dem Erinnern an den Krieg und die Opfer sein?" Ob nachfolgende Generationen Ereignisse verharmlosen oder die Vergangenheit sogar verherrlichen, überlegte Polzer. Die Gefahr des Vergessens sei sehr groß.

Echte Schicksale berühren

Noch gebe es Menschen, die persönlich von ihren Erfahrungen, Ängsten, von Leid, Trauer und Schmerzen berichten können. "Echte Menschen, mit echten Schicksalen. Auch hier an den Mahnmalen stehen Namen, hinter denen Menschen stehen", betonte Polzer. Gerade die Soldaten aus dem ländlichen Gebiet seien "Kanonenfutter" gewesen, die Verluste waren groß. Auf dem Mahnmal in Nordheim stehe "Sie starben für uns". Dagegen wehrte er sich vehement: "Nein, nicht für uns, nicht für ihre Familien, sondern für größenwahnsinnige Verbrecher, die mit Menschenleben spielten, entschieden, wer verzichtbar war."

Des Christen Pflicht sei der Schutz der Schwachen, getreu dem Spruch "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst". Polzer sagte: "Krieg ist eine Sünde vor dem Herrn und vor dem Nächsten."

Mitgestaltet wurde der Volkstrauertag in Biblis zudem durch Pfarrer Ludger M. Reichert, durch die Chorgemeinschaft des MGV Liederkranz und GV Eintracht, durch Pierre-Olivier Denise an der Trompete und Fahnenträger von sechs Vereinen.

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