Biblis

Pfarrgruppe Biblis 40 Jungen und Mädchen machen sich am Neujahrstag auf den Weg / Flüchtlingssituation im Libanon besprochen

Sternsinger halten Segen bereit

Archivartikel

Von Stefanie Reis

Biblis. „Wir sind Sternsinger-Helden!“ Große Begeisterung und viel Elan waren beim Treffen der etwa vierzig Jungen und Mädchen zu spüren, die sich auf die Sternsingeraktion der Pfarrgruppe Biblis vorbereiten. „Wer ist denn das erste Mal dabei?“, fragte Pfarrer Ludger M. Reichert. Vier Hände gingen nach oben. Die übrigen künftigen Segensbringer sind Wiederholungstäter.

„Ich finde es ganz toll, wie ihr euch für andere Menschen und vor allem für Kinder weltweit einsetzt“, lobte Reichert seine jungen Zuhörer. Petra Stumpf ist gemeinsam mit Andrea Weis und Julia Emig Ansprechpartnerin für die Sternsinger. Sie freute sich ebenfalls, viele bekannte Gesichter zu sehen. So wie Emily, die zum sechsten Mal mitläuft, oder Nadine und Peter, die schon das zehnte Mal dabei sind. Die Mehrzahl der Kinder bleibt der Aktion über Jahre hinweg treu. Die jüngsten Sternsingerinnen sind drei und fünf Jahre alt.

Ältester Sternsinger ist der 17-jährige Tim. Gemeinsam mit zwei Freunden, fünfzehn und sechszehn, bildet er schon lange eine eigene Gruppe. Die Älteren sind ohne Betreuer unterwegs, die Jüngeren werden von einem Erwachsenen unterstützt.

„Wisst ihr noch, wie der Segen geht, den ihr mit Kreide an die Türen schreibt?“, fragte Petra Stumpf die Kinder. In Gemeinschaftsarbeit schrieben Simon, Anna und Lukas auf eine Tafel: 20*C+M+B+20. Das Jahr steht aufgeteilt am Anfang und am Ende. Der kleine Stern symbolisiert den großen, dem die Weisen aus dem Morgenland gefolgt sind. Zugleich ist er Zeichen für die Geburt Christi. Die Buchstaben C, M und B stehen für die lateinischen Worte „Christus Mansionem Benedicat“ – Christus segne dieses Haus. Die drei Kreuze bezeichnen den Segen: im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Proben für den großen Tag

Das Zeichen schreiben die Sternsinger mit Kreide an die Türen. Oder die Bewohner entscheiden sich für einen Aufkleber mit der gleichen Aufschrift. Beides wird beim Aussendungsgottesdienst der Sternsinger von Pfarrer Reichert gesegnet – wie natürlich auch die Kinder selbst. Neben dem schriftlichen Segen übten die Jungen und Mädchen auch die Lieder ein, die sie in den Häusern und Wohnungen vortragen. Bei dem Vortreffen erhielten sie schon ihre Kostüme, Fürbitten wurden ausgeteilt, und der Ablauf des Aussendungsgottesdienstes geprobt.

Schon eine echte Tradition ist es, dass sich alle zusammen zudem den Film über das Land ansehen, das in diesem Jahr im Mittelpunkt steht. Diesmal geht es um den Libanon, wo von 1975 bis 1990 ein Bürgerkrieg getobt hat. Wie der Film zeigt, gelingt dem kleinen Land im Nahen Osten ein weitgehend demokratisches und friedliches Zusammenleben, trotz unterschiedlicher Religionen und Konfessionen. Doch der gesellschaftliche Friede steht vor großen Herausforderungen, denn das Zusammenleben ist nach wie vor von Abneigungen geprägt.

Zudem hat der Libanon seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs im Nachbarland Syrien rund 1,2 Millionen Flüchtlinge aufgenommen, wie die jungen Zuschauer erfuhren. Die Bildungs- und Gesundheitsstrukturen des Landes reichen nicht aus, um den Bedürfnissen der geflüchteten Menschen gerecht zu werden. Die Hilfsbereitschaft der Libanesen ist teilweise in Ablehnung umgeschlagen. Auch unter Kindern und Jugendlichen kommt es zu Spannungen und Ausgrenzungen.

Stiftung setzt auf Bildung

Die Projektpartner der Sternsinger arbeiten vor Ort mit einheimischen Kindern und mit Kindern aus Flüchtlingsfamilien. Ein wichtiges Ziel der verschiedenen Organisationen ist es, Frieden und Verständigung zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft, Kultur und Religion zu fördern.

Die Adyan-Stiftung, die 2006 von Christen und Muslimen gegründet wurde, setzt dabei auf Bildung und Dialog. Der Jesuiten-Flüchtlingsdienst leistet Hilfe bei der schulischen Integration und der medizinischen Versorgung. Die Caritas Libanon organisiert unter anderem ein Hausaufgaben- und Freizeitprogramm für Kinder unterschiedlicher Herkunft und Religion in der libanesischen Hauptstadt Beirut. Auch für diese Projekte werden die gesammelten Spenden aus der Sternsingeraktion eingesetzt.

Nach dem Filmeschauen wussten die Jungen und Mädchen jetzt ganz genau darüber Bescheid, für was und für wen sie sich als Sternsinger-Helden einsetzen.

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