Biblis

Geschichte Nordheimer Heimathistoriker freuen sich über Fund / Reste einer früheren Schließe bei Ausgrabungsarbeiten am Audamm aufgetaucht

Uralte Eichenbohlen schützten gegen Hochwasser

Nordheim.Der Nordheimer Verein für Heimatgeschichte ist um einige Ausstellungsstücke reicher. Es handelt sich dabei um Holzbohlen, die beim Abriss des Pumpwerks auf dem Audamm im Zuge der Deichsanierung aufgetaucht sind. Ein Unternehmen hat sie entdeckt und den Heimatforschern zur Verfügung gestellt.

„Die Überreste wurden nicht komplett ausgegraben, sondern größtenteils an Ort und Stelle belassen“, berichtete Vorsitzender Günter Mössinger im Gespräch mit dem Südhessen Morgen. Das Unternehmen habe die Stelle wieder zugeschüttet. „So steht der Fund späteren Generationen zur Verfügung, die vielleicht ganz andere Möglichkeiten zur Altersbestimmung haben als wir“, erklärt Mössinger. Er hat die Vermutung, dass die Bohlen Teil einer früheren Schließe sind, die auf das Jahr 1784 hinweist. Es existieren nämlich Gemeinderechnungen für einen hölzernen Schieber, der damals in der Schließe war.

Von dem Holz wurden Proben genommen, die jetzt in den Laboren des Curt-Engelhorn-Zentrums für Archäometrie in Mannheim, das sich bei den Reiss-Engelhorn-Museen befindet, untersucht werden. Dabei werden die Jahresringe begutachtet und so ein konkretes Alter ermittelt. Der Verein wartet mit Spannung auf die Ergebnisse. Denn erst dann kann genau bestimmt werden, von wann die Schließe stammt – ob wie vermutet aus dem 18. Jahrhundert oder sogar aus noch früherer Zeit.

Denn Hochwasser ist schon lange ein Thema im Ried. Die Dämme in Richtung Rhein schützten vor steigenden Pegeln, und das Gebiet führte immer schon viel Grundwasser. Rheinbauinspektor Claus Kröncke hat im Jahr 1824 für die Entwässerung der Gemarkung gesorgt und an der Schließe in Nordheim vermutlich einen Metallschieber einsetzen lassen. Eine weitere Renovierung der Schließe gab es in den Jahren 1872 und 1873 nach den massiven Hochwassern.

Die Gemeinde Biblis wollte eigentlich das Pumpwerk aus den 1930er Jahren erhalten. Aber dann hätte sie laut Regierungspräsidium Darmstadt (RP) auch für dessen Verkehrssicherheit sorgen müssen. Das RP unterhält als Eigentümer die Deichsanierung. Also fiel der Entschluss zum Abriss, bei dem die Bohlen dann aufgetaucht sind.

„Es sind Eichenbohlen, die mit einem Beil so bearbeitet wurden, dass sich die Poren des Holzes schließen. Die Bearbeitungsspuren sind gut zu sehen“, stellte Mössinger fest. Die Hölzer waren in Form eines Fachwerks verbaut, zum Teil sind sie verkohlt. Die senkrechten Bohlen tragen keine „Pfahlschuhe“ aus Eisen, wie es bei den Römern üblich war. Die Spitzen gingen ohne Schutz tief in den Boden. Die Querbalken waren mit Aussparungen versehen, so dass das Gebilde einem Fachwerkhaus glich.

Dach soll Schutz bieten

Die Bohlen sollen jetzt einen Platz bei Fährturm am Deich finden, den der Verein seit einigen Jahren als Außenstelle betreibt. Der Turm liegt an der Zufahrt zur Gaststätte „Zur Rheinfähre“. Die Fundstelle befindet sich ein Stück weiter in Richtung Burg Stein.

Bisher sind die Balken im Boden gut erhalten gewesen, aber jetzt an der Oberfläche sind sie den Umwelteinflüssen ausgesetzt. „Wir möchten auf jeden Fall ein Dach bauen, damit sie wenigstens von oben geschützt sind“, kündigte Mössinger an. Er freute sich sehr über das Geschenk, das erneut einen kleinen Teil der Vergangenheit des Ortsteils zeigt.

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