Biblis

Interview Der künftige Bürgermeister spricht von Aufbruchstimmung und will noch vor Amtsantritt in die Prozesse einsteigen – wenn Felix Kusicka zustimmt

„Von dieser Energie wird Biblis lange profitieren“

Archivartikel

Biblis.Wahlsieger Volker Scheib wird am 1. April das Amt des Bürgermeisters antreten. Lange davor will er sich in die Prozesse in der Gemeinde wie den Stadtumbau einarbeiten, um im April sofort loslegen zu können. Dafür setzt er allerdings die Zustimmung des amtierenden Felix Kusicka voraus. Scheib spricht im Interview am Tag nach seinem fulminanten Sieg von einer Aufbruchstimmung, die in Biblis seit dem Wahlkampf mit steigender Tendenz spürbar sei. Dennoch weiß er, dass auch schwierige Aufgaben vor ihm liegen.

Herzlichen Glückwunsch, Herr Bürgermeister in spe!

Volker Scheib: Danke.

Ein Teil Ihrer Motivation zur Kandidatur war, Zitat Scheib, „eine mittlere Katastrophe namens Ralph Bühler zu verhindern“. Der FLB-Kandidat, Mitglied der AfD, hat 6,3 Prozent bekommen. Wie interpretieren sie sein Ergebnis?

Scheib: Ich denke, dass die Wählerinnen und Wähler gesehen haben, dass das nicht gut gewesen wäre für unsere Großgemeinde. Ich glaube, Herr Bühler ist in vielen Situationen zu weit gegangen und hat dabei mehr über sich offenbart, als ihm hilfreich sein konnte.

Wie sehen Sie Ihren Anteil am Abschneiden Bühlers?

Scheib: Ich glaube, dass ich ihm die Basis genommen habe. Ich glaube, ich war der Mensch, der ihn unter zehn Prozent gehalten hat.

Bühler hat deutlich schlechter abgeschnitten als FLB-Kandidat Hans-Peter Fischer zuvor. Kann man daraus schließen, dass viele Bibliser aus Frust über die Altparteien Fischer gewählt haben?

Scheib: Ja, das habe ich bereits vor meiner Kandidatur häufig erfahren: Mangels Alternative zu den beiden großen Parteien haben viele Menschen gesagt, „dann wählen wir halt den, dann gibt es wenigstens einen Denkzettel“. Wie es scheint, haben sie in mir eine wirkliche Alternative gesehen.

Sie wollen alle Menschen mitnehmen, offen agieren und Konsens herbeiführen. Welches Bild haben Sie sich im Wahlkampf von der Rathaus-Belegschaft machen können?

Scheib: Ich habe ein sehr gutes Bild bekommen. Da ist viel Potenzial, einiges ist in den letzten Jahren vielleicht etwas zurückgefallen, das muss ich wieder beleben. Ich will die Talente wieder fördern, vielleicht sind auch neue Talente zu entdecken. Umfangreiche Veränderungen schweben mit aber nicht vor. Ich respektiere die gute Arbeit der Menschen dort. Ich stehe hinter der Belegschaft, und ich sehe mich als kollegialen Chef. Ich werde jedem partnerschaftlich auf Augenhöhe begegnen. Aber, ganz klare Ansage: Rathaus ist auch Service- und Kompetenzcenter, den Service-Gedanken müssen wir weiterentwickeln, die Kompetenz ebenfalls.

Sie sind parteilos und unabhängig. Das macht einerseits frei, weil man niemandem etwas schuldig ist. Andererseits müssen Sie jetzt für Ihre Ziele und Ideale Mehrheiten bei den Gemeindevertretern finden. Das kann ein hartes Geschäft werden. Wie stellen Sie sich das vor?

Scheib: Genau so, wie Sie es gesagt haben. Er ist ein hartes Geschäft, aber kein unlösbares. Am Wahlabend haben mir viele Mandatsträger gratuliert. Ich habe bei der Gelegenheit jedem gesagt, dass ich mich auf eine konstruktive Ziusammenarbeit freue. Von den meisten kam das Gleiche zurück: Sie würden sich freuen, wären offen für eine gute Zusammenarbeit. Das hat mich sehr stark berührt.

Sind Sie bei den großen Themen wie Stadtumbau auf dem neusten Stand?

Scheib: Auf dem gleichen Stand wie die Öffentlichkeit. An verwaltungsinterne Unterlagen komme ich natürlich nicht dran. Ich will schon vor dem Amtsantritt, so etwa ab Mitte Dezember, mitarbeiten – kostenlos natürlich –, damit die Prozesse linear weiterlaufen und es nach meinem Amtsantritt keine Dellen gibt. Die Leute in Politik und Verwaltung, mit denen ich darüber gesprochen habe, sehen das allesamt positiv. Die Entscheidung ist aber selbstverständlich Herrn Bürgermeister Kusicka überlassen. Ich möchte ihn kommende Woche darauf ansprechen.

Menschen im Ort sprechen von Aufbruchstimmung. Sehen sie die auch?

Scheib: Ja, und zwar mit steigender Tendenz seit Beginn des Wahlkampfs. Von dieser Energie wird Biblis lange profitieren – und ich nehme sie mit in meine Arbeit.

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