Biblis

Neue Natostraße Nordheimer Verein für Heimatgeschichte kritisiert Durchfahrtsverbot / Keine Parkmöglichkeit an der Burg Stein

Wendehammer bleibt gesperrt

Nordheim.Eine Ausstellung in der Burg Stein mit Diskussionsbedarf: Der Verein für Heimatgeschichte Nordheim brachte ein aktuelles Problem in die öffentliche Wahrnehmung. „Vollkommen überraschend wurde hier in Nordheim die Neue Natostraße am Rhein mit etwa 1300 Meter Länge vom Wasser- und Schifffahrtsamt Mannheim gesperrt. Grund genug, sich mit dem Bergsträßer Rheinufer näher zu befassen und zum Nachdenken anzuregen“, stellte Vereinsvorsitzender Günter Mössinger fest.

Die Neue Natostraße darf ab der Kreuzung Alter Fährturm und Zur Rheinfähre bis zum Wendehammer nicht mehr befahren werden. Ein weißer Strich sowie Schilder kennzeichnen das Verbot. Lediglich Fahrzeugen, die ein Boot zu Wasser bringen sollen, ist die Zufahrt gestattet.

Diese Maßnahme sei in Absprache mit der Gemeinde Biblis durchgeführt worden, hat der Verein erfahren. Damit soll der rege Besucherverkehr am Rhein und auch der viele Müll reduziert werden. Mössinger kritisierte jedoch, dass weder die Bevölkerung noch betroffene Vereine vorab informiert worden seien. „Für uns besonders ärgerlich, denn der Wendehammer ist als Besucherparkplatz für die Burg Stein offiziell ausgeschildert“, erklärte Mössinger.

Neue Ausstellung

Gemeinsam mit Anglern und dem VdK habe der Verein ein Schreiben an die Gemeinde Biblis, an das Wasser- und Schifffahrtsamt sowie an Bundestagsabgeordneten Michael Meister (CDU) gesendet. Letzterer habe das verantwortliche Ministerium um Stellungnahme gebeten.

Die Ausstellung im Burg-Stein-Museum zeigt anhand von aktuellen Bilddokumenten die Veränderungen des knapp 23 Kilometer langen Rheinufers im Kreis Bergstraße. Dabei werden auch die Uferabschnitte der Nachbarschaft verglichen. Außerdem geht es um Naherholung, Besucherfreundlichkeit und die in der Nähe liegenden Denkmäler. Auf alten Bildern ist zu sehen, wie am Rhein gefeiert, geschwommen und gepicknickt wird. Bis etwa 1960 war das Gebiet noch uneingeschränkt mit Autos anzufahren. Zudem wurden in Nordheim zwei und in Lampertheim eine Natostraße gebaut. Damals gab es sieben Gaststätten an 23 Kilometern Rheinufer, heute noch zwei. Auf dem ganzen Abschnitt würden zudem nur drei Ruhebänke stehen. „Der Naturpark Bergstraße hat bis etwa 1970 neun Parkplätze in Rheinufernähe geschaffen, davon sind vier noch vorhanden“, dokumentieren die Heimatkundler. Der Wegfall des großen öffentlichen Campingplatzes in Rosengarten und die Sperrung der entsprechenden Rheinzufahrt habe zu einem erhöhten Besucherandrang an den übrigen Natostraßen geführt, sind die Macher der Ausstellung überzeugt.

Auch die dreizehn Denkmäler direkt am Bergsträßer Rheinufer haben sie im Bild festgehalten. Um die historischen Stätten in Nordheim kümmert sich der Verein für Heimatgeschichte ehrenamtlich in Zusammenarbeit mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt schon seit mehreren Jahren. Zusätzlich pflegt der Verein Teile der Neuen Natostraße und die Parkfläche an der Gaststätte. „Dieser ehrenamtliche Einsatz wird ad absurdum geführt durch die jüngste Straßensperrung“, ärgerte sich Mössinger.

„Rheinufer aufwerten“

Der Verein wünsche sich ein Konzept zur Aufwertung des Rheinufers im Kreis. Linksrheinisch werde bereits daran gearbeitet. Dort habe man eine Tourismusstrategie erstellt, die zu ständig steigenden Gästezahlen, besonders im Wochenend-Tourismus, geführt hätten. „Auch bei uns brauchen wir mehr Besucherfreundlichkeit, bessere Anfahrtsmöglichkeiten für Familien, Alte und Kranke. Außerdem Rastplätze, Ruhebänke, Liegewiesen, Picknickplätze, mehr Aussichtsbereiche auf den Rhein wie etwa in Gernsheim, einen fahrradfreundlichen Ausbau des Leinpfades und verbesserter Schutz der Denkmäler und des vorhandenen über 100 Jahre alten Uferverbaus“, zählte Mössinger auf.

Es ging um eine höhere Wertschätzung des unverwechselbaren Rheinufers. Dieses habe auch eine wirtschaftliche Bedeutung. „Fremde Besucher sind nicht grundsätzlich schlecht, sie sind auch Konsumenten und tragen zur Aufwertung unserer Kommunen bei“, erklärte Mössinger. Er forderte eine demokratische Beteiligung der einheimischen, interessierten Verbände und Einwohner – und vor allem die Aufhebung der Straßensperrung.

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