Biblis

Theater „Die Dollbohrer“ begeistern in Wattenheim das Publikum mit ihrem Stück „Lewwerworscht und Mon Cherie“

Wenn die Oma mit dem Nachbarn Trompete spielt

Archivartikel

Biblis.Dessous mit Rotwein, ein Indianer, der das Lasso rausholt, ein U-Boot im Wohnzimmer und eine Kirchenlieder-Hitparade – dies alles erwartete die Besucher beim komödiantischen Stück „Lewwerworscht und Mon Cherie“. Zum neunten Mal öffnete sich der Vorhang zu einem Stück der Theatergruppe „Die Dollbohrer“ der SGNoWa im Wattenheimer Sportheim. Vier Mal führten sie das aktuelle Stück vor.

Amüsant entführten die zehn Laienschauspieler in die Welt der Neureichen und des alten Adels und bewegten sich sprachlich zwischen Hochdeutsch und Dialekt. Eine clevere Oma und so manche pikante Schlafzimmergeschichte sorgten dabei für viele Lacher.

Familie Himmelreich hatte im Lotto gewonnen. Ab dem Moment begann Mutter Marita Himmelreich ins Hochdeutsche zu wechseln, wie die Leute aus der schicken Gesellschaft. Passend hierzu lud sie die versnobte Familie von Spiegelow zu sich ein – mit dem Hintergedanken, ihren Sohn Thorsten mit deren Tochter Constanze zu verkuppeln.

Christiane Roos stellte gekonnt die dörfliche Neureiche dar, deren Pläne nie aufgingen. Ihr Mann Hans, gewohnt witzig und mit trockenem Humor von Willi Ochsenschläger gespielt, stand aber durchaus unter ihrer Fuchtel. Nicht im Griff hatte sie dagegen ihre Schwiegermutter Paula, die zwar schwerhörig war, es aber faustdick hinter den Ohren hatte. Ihre Geheimwaffe: der senile Nachbar. „Ta ta ta, tatatataaaaaaa!“, nicht nur sprichwörtlich blies er den Marsch. Denn regelmäßig schaute er bei Familie Himmelreich mit seiner Trompete vorbei und sichtete auch schon mal ein U-Boot im Wohnzimmer. Der Einmarsch des trompetenden Wirrkopfes, lustig dargestellt von Horst Müller, wurde zum mehrmals wiederholten Gag.

Auf Kommando „Im Gleichschritt, Marsch!“: Die von Petra Höfig quirlig, liebenswert und schlitzohrig gespielte Oma Paula und der Nachbar marschierten im Takt der klatschenden Besucher in allen drei Akten mehrmals durch die Wohnlandschaft.

Ebenso spaßig war der gesungene Zickenkrieg zwischen Oma Paula und Frau Himmelreich. „Großer Gott wir loben dich“ versus „Rot, rot, rot, rot sind die Rosen“. Die Lieder wurden zu den Markenzeichen der beiden. Weil die Oma nicht mehr in die neureiche Idylle von Marita Himmelreich passte, sollte sie ins Seniorenheim abgeschoben werden. Nun setzte sich die Oma zur Wehr und boykottierte die Pläne der Schwiegertochter, die vor dem „alten Adel“ der von Spiegelow glänzen wollte.

Statt exklusiver „Sofas, also Canapés“ gab es belegte Lewwerworschtbrötchen. Statt der tollen Geburtstagsüberraschung sprang Enkel Torsten, gespielt von Ruven Kronauer, als Marilyn-Monroe-Verschnitt aus der Geschenkverpackung. Und als sich der Kutscher für die Geburtstagsfahrt als Indianer entpuppe, dargestellt von Romario Kronauer, entglitt nicht nur der Familie von Spiegelow die Contenance, auch Marita Himmelreich war fassungslos.

Ein kleines Zechgelage mit Schnaps sorgte für lustige Szenen, bei dem auch der schwülstig-philosophische Ferfried von Spiegelow, alias Klaus Ruppert, über die Stränge schlug. Seine ständige Liebkosung für die Gattin „Oh, Mon Cherie“ verfehlte alsbald ihre Wirkung. Die schnippisch und schön hochnäsig gespielte Gattin Camilla von Spiegelow wurde von Michaela Kronauer dargestellt. Spätestens als die Ehefrauen merkten, dass die falschen Männer nach durchzechter Nacht bei ihnen die ehrlichen Pflichten erledigen wollten, und alle in städtischen und dörflichen Negligés auf der Bühne standen, nahm der komödiantische Schwank nochmals Fahrt auf.

Mit dem Lover ins Seniorenstift

Zwar verbrachten Junior Thorsten Himmelreich und Adelstochter Constanze von Spiegelow – zum ersten Mal stand Lisa Bamberg auf der Bühne – einen netten Abend zusammen, zur Hochzeit reichte es aber nicht. Familie von Spiegelow zog schließlich pikiert von dannen. Damit endete auch die hochdeutsche Phase von Marita Himmelreich. Doch Oma Paula war noch nicht aus dem Schneider. Denn nun tauchte Joachim Bormuth als Diakon auf, ein Erstbesuch für die Aufnahme ins Seniorenstift. Der wusste bald nicht mehr, wie ihm geschah. Denn die Oma stellte ihren trompetenden Nachbarn als ihren Lover vor, der mit ins Seniorenheim einziehen soll. Da suchte der Diakon das Weite.

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