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Simultankirche Offenbacher Pfarrerin und Sopranistin Amina Bruch-Cincar begeistert mit dem russischen Streichquartett „Concertino“

Wiener Klassik und Kaffeegenuss

Nordheim.Röstaromen im Altarraum, volle Kirchenbänke und fröhliche Gesichter – das alles gab es noch in der Nordheimer Simultankirche, kurz bevor wegen der Corona-Krise alle Veranstaltungen abgesagt werden mussten.

Sopranistin Amina Bruch-Cincar und das russische Streichquartett „Concertino“ lieferten mit dem „Kaffeehauskonzert“ eine vor Freude und Genuss nur so sprühende Vorstellung, die nahezu alle Besucher der vollbesetzten Nordheimer Simultankirche begeisterte – und das zumindest regional einmalig schien.

Denn zu den Klängen von Violine, Violoncello und Viola mischten sich im Gotteshaus auch der Duft von frischem Kaffee und warmen Teig. In der Pause des Konzerts, das für Besucher keinen Eintritt kostete, servierte die evangelische Kirchengemeinde das schwarze Gold und selbstgebackenen Kuchen mitten im Altarraum. Hinter dem Kreuz eine Tasse Kaffee genießen und mit den Künstlern ins Gespräch kommen – für viele Besucher eine ganz neue Erfahrung. „Wir haben mal in einer stillgelegten Kirche gefrühstückt“, erzählt das Hofheimer Ehepaar Morasch, „aber so etwas haben wir auch noch nicht erlebt“. Doch nur wegen der Pause, wie Sopranistin und Initiatorin Amina Bruch-Cincar scherzend vermutet, waren die Besucher nicht gekommen. „Der Termin steht bei uns schon ganz lange im Kalender, aber wegen der Musik. Und die hat uns begeistert“, betonten die Moraschs in der Pause. Zurecht.

Von wegen altbacken: Sowohl die Musik als auch die kulinarischen Genüsse überzeugten auf ganzer Linie. Zwar rundete die Kaffeepause das Konzert ab und machte es für Kirchengänger zu einem ungewöhnlichen Erlebnis, doch sprach die Musik für sich selbst. Das Ensemble widmete sich zwar hauptsächlich der Wiener Klassik, ließ aber auch die nötige Vielfalt nicht vermissen. Den Anfang machte Bruch-Cincar, die im bürgerlichen Leben selbst Pfarrerin in Offenbach ist, mit dem deutschen Titel „Das gibt’s nur einmal“ aus dem Film „Der Kongress tanzt“ (1931). Gesangsstücke wechselten sich mit Instrumentalnummern ab, in denen die vier russischen Künstler Grigori Dobrzynets, Tetyana Kashytska, Leonid Tenenbaum und Iryna Valyashkina ihr Können unter Beweis stellten.

Mal melancholisch, mal rustikal bei einer Hochzeit in Norwegen, aber immer in perfekter Harmonie. Neben einem Walzer von Tschaikowsky, Ballettmusik oder dem ungarischen Tanz Nummer 5 gab das Quintett auch moderne Stück wie die Aretha-Franklin-Version von „I say a little prayer“ zum Besten. Die Sängerin und Pfarrerin Amina Bruch-Cincar überzeugte dabei mit einer fast schon enthusiastischen Freude an ihrer Musik, die ansteckend war.

Alle Hoffnungen übertroffen

Die Idee wurde übrigens aus einem verregneten Open-Air-Konzert vor rund fünf Jahren geboren, das kurzerhand in die Kirche ihrer Heimatgemeinde in Offenbach verlegt wurde. Schon im darauffolgenden Jahr habe man ihr „die Bude beim Vorverkauf eingerannt“. Also hatten sich die Musiker auch in andere Gemeinden getraut – mit Erfolg. Es wäre auch zu schade, ein solches Konzept nicht weiter zu tragen. „Wir wären schon bei 30 Zuhörern zufrieden gewesen“, sagte der Nordheimer Pfarrer-Kollege Arne Polzer. Über 100 waren es schließlich.

Ihr Meisterstück liefert die Sängerin mit „Moskauer Nächten“ ab, das sie auf Russisch sang. Und dann gab es ja noch die Pause. Oder um es mit den Worten von Heinz Erhardt zu sagen: „Wenn die Opern dich umbrausen mit Getön, dann genieße auch die Pausen: Sie sind schön.“ ksm

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