Biblis

Zum Handeln getrieben

Martin Schulte zur Rolle des Bibliser Bürgermeisters

Das hat Felix Kusicka sich womöglich zu einfach vorgestellt. Den Anwohnern der Gewerbestraße in Biblis eine Steinbrecheranlage vor die Nase setzen zu wollen, hat riesige Wellen geschlagen. Dem Anschein nach wollte der Bürgermeister nun bei seiner Pressekonferenz die Not zur Tugend machen. Er ziehe lieber zur rechten Zeit die Reißleine, statt zähe Konflikte mit den Anwohnern zu riskieren. Das sei nur vernünftig. Außerdem verstehe er die Leute. Felix Kusicka ist nun gegen den Steinbrecher im Gewerbegebiet „Am hohen Weg“. Und er hat Recht, wenn er für sich und die Politik beansprucht, Prozesse fortwährend überdenken und gegebenenfalls neu entscheiden zu müssen. Im vorliegenden Fall allerdings mag Kusickas Strategie nicht verfangen. Er steht heute weniger als Entscheider denn als Getriebener da. Getrieben von den massiven Beschwerden der Anwohner. Die haben ihm denn auch unmissverständlich klar gemacht, sämtliche Rechtsmittel gegen das Vorhaben auszuschöpfen. Getrieben auch von dem Datum 27. Oktober. Dann möchte er erneut zum Bürgermeister gewählt werden.

Eine gewisse Brisanz kommt für Kusicka vor diesem Hintergrund dazu: Ausgerechnet Hans-Peter Fischer von der rechten FLB hat den Stein ins Rollen gebracht, indem er die Anwohner überhaupt erst über die Pläne informierte. Fischer und sein Bürgermeister-Kandidat Ralph Bühler von der AfD müssen sich erhebliche Vorteile ausrechnen, können sie sich nun doch noch lauter als Anwalt der Bürger gerieren. Ein Indiz dafür war am Mittwoch Fischers bemerkenswerter Einmarsch ins Rathausfoyer. Zu gerne hätten er und seine Kollegen sich plakativ zur Pressekonferenz des Bürgermeisters gesellt, um ihre Absichten ins rechte Licht zu rücken. Dieser Auftritt hatte etwas von Guerilla und Karneval zugleich. Es wird das Geheimnis des FLB-Chefs bleiben, ob er 2018 bei seinem Votum für den Steinbrecher die Lage tatsächlich nicht erkannt hat oder jetzt aus Taktik das Fähnchen in den Wind hängt.

Bereits als Gewinner indes stehen die Anwohner der Gewerbestraße fest. Auch wenn die Frage bleibt, wie die Würfel gefallen wären, gäbe es nicht den Wahltag 27. Oktober.

 
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